Monatsarchiv: Oktober 2011

Groupon will Preisspanne erhöhen?

Ich würde selbst für 16 Dollar je Aktie nicht zeichnen. Die Bewertung ist zwar nicht mehr komplett irre, aber die zugrundeliegenden Daten haben sich auch deutlich verschlechtert. Denn das Wachstum von Groupon in den USA ist bei weitem nicht mehr das, was man von einem Wachstumsunternehmen eigentlich erwartet (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Groupon hat den Börsengang geschrumpft …).

Allerdings hat Groupon Recht, wenn sie sagen, dass sie das Geld aus dem Börsengang nicht benötigen. Denn wie ich schon beschrieben habe, finanziert sich die Firma vor allem durch die verzögerte Auszahlung an die Händler ja schon. Solange Groupon wächst, geht das auch weiter gut.

Ansonsten gibt es im FTD Artikel ausreichend viele negative Stimmen zu Groupon.

Allerdings befürchte ich, dass die Strategie, den Börsengang über eine extrem kleine Emission erfolgreich zu machen, richtig aufgeht. Wenn jetzt sogar die Bookbuildingspanne erhöht werden kann, haben die Investmentbanken am Ende doch wieder alles richtig gemacht. Die werden auch sicherlich die ersten sein, die wieder aussteigen, just bevor dann weitere Aktien auf den Markt geworfen werden. Nur so eine wilde Prognose von mir …

IPO in New York: Groupon will alles aus Börsengang herausquetschen | FTD.de

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Griechenland: Acht Milliarden Euro für tote Rentner – Wirtschaft – FAZ

Ohne Worte …

Hatte ich heute morgen schon im Original gelesen, aber irgendwie vergessen, dass zu verbloggen.

ekathimerini.com | Up to 8 bln euros paid in bogus pensions

Der griechische Staat will sich die Rentenzahlungen, die viele Jahre lang u.a. an bereits lange Verstorbene ausgezahlt wurde, bis auf den letzten Euro zurückholen. Einfach und vor allem schnell wird das aber kaum gehen ..

Griechenland: Acht Milliarden Euro für tote Rentner – Wirtschaft – FAZ

Italienische Staatsanleihen deutlich über 6%

6,18% lautet die Rendite der generischen zehnjährigen Staatsanleihe heute Mittag. Das wäre als Schlusskurs der zweithöchste in dieser Krise. Das Top lag bei 6,20%, intraday waren es allerdings – am Tag vor der Bekanntgabe der zweiten Stufe des Quantitative Easings der EZB – auch schon einmal 6,4%.

So supertoll angeschlagen hat das Ankaufprogramm der EZB also nicht. Zwar hält die EZB jetzt  Anleihen der Krisenstaaten im Gesamtwert von

173.500.000.000 (173,5 Milliarden) Euro

und hat damit in der zweiten Stufe nahezu 100 Milliarden investiert, die Renditen sind aber ähnlich hoch wie vorher … OK, in Portugal sind sie leicht gesunken, aber hier spielt die Euro-Musik eh nicht. Knackpunkte für der Euro sind Spanien und Italien …

Italy Govt Bonds 10 Year Gross Yield (GBTPGR10:IND) Index Performance – Bloomberg

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MF Global: Großer amerikanischer Börsenmakler wankt

Das meldete die FAZ vor gut einer Stunde. Inzwischen hat die New York Fed nachgelegt und MF Global direkte Geschäfte mit der Fed untersagt. Ein größeres Misstrauensvotum gibt es wohl nicht, so dass ich für ein “und tschüss” plädieren würde …

Verspekuliert hat sich der vor allem im Devisen- und Derivatehandel aktive Broker anscheinend mit europäischen Staatsanleihen …

Ziemlich lustig ist es (natürlich nur, wenn man selber nicht betroffen ist) in solchen Fällen immer, wenn man sich die Selbstdarstellung der Firma anschaut. Sehr schön im Fall von MF Global der aktuelle “Financial Overview (PDF)”, in dem das “solide Risikomanagement” und die “Stärkung der Kapitalstruktur” herausgehoben werden.

„The firm’s liquidity position remains strong“

„Extremely liquid and high quality balance sheet“

Gnihihi.

Update (14:27):

Und schon beginnen die Spekulationen … Ist MF Global nur der “Kanarienvogel in der Mine”, sprich einfach nur der erste von vielen, der fällt?

Will other banks go the way of MF Global? | Felix Salmon

Update 2 (15:07):

CME und ICE haben die Zusammenarbeit mit MF Global eingestellt. Ohne Garantiegeber (siehe New York Fed Statement) kein neuer Handel mehr, nur noch Glattstellung bestehender Kontrakte.

Ich glaube, nirgendwo werden die Nägel so schnell in den Sargdeckel gehämmert wie an den Finanzmärkten. Ist das Vertrauen erstmal weg, zerlegen sich auch große Firmen in wenigen Tagen komplett …

Update 3 (17:03):

Und … Chapter 11. (bereits vor 1 Stunde).

Wow. Das ging schnell. Da wurde heute morgen noch darüber spekuliert, dass MF Global möglicherweise nicht mehr Wochen, sondern nur Tage für eine Rettung habe. Da mag man “Tage” noch für eine überdramatische Aussage gehalten haben. Und aus den “Tagen” wurde nicht einmal mehr ein ganzer Tag.

FT Alphaville » MF Global files for bankruptcy

Update 4 (17:08)

MF Global könnte es mit Assets vo 61 Milliarden Dollar unter die 10 größten Pleitefälle aller Zeiten in den USA schaffen.

MF Global: Likely Among the 10 Biggest Bankruptcies Ever – Deal Journal – WSJ

Update 5 (17:34):

44 Mrd. Dollar Verbindlichkeiten bei 1,4 Mrd. Eigenkapital? Sagt mal, war das ein Broker oder ein Hedgefonds?!?

Warum zum Teufel darf eine solche Firma auf billiges Zentralbankgeld und die Einlagensicherung zurückgreifen? Das macht keinen Sinn. Nur für den volkswirtschaftlich sinnvollen Teil des Banksektors (Kreditvergabe, ergo Geldschöpfung) sollte die Zentralbank billiges Notenbankgeld zur Verfügung stellen, nicht für Hedgefonds im Tarnmantel eines Brokers oder Hedgefonds, die sich als Investmentbank verkleiden …

This is a reminder of the wisdom of the Volcker Rule. Let gambling be done by those that cannot call on the Federal Deposit Insurance Corporation or the Treasury for a bailout, and by those that do not have access to low-cost insured deposits.

MF Global: Good Bets, Bad Timing? – NYTimes.com

Letztes Update

Habe die Geschichte in mein Hauptblog gehoben und werde nur noch dort updaten.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Das ging schnell: morgens war’s noch Wanken, nachmittags eine Top-10 Pleite

MF Global: Großer amerikanischer Börsenmakler wankt

George Soros: Griechenland Haircut hält max. 3 Monate

Too little too late.

Die 50% Haircut auf die griechischen Staatsschulden, die der Privatsektor hält, ergeben nur etwa 20% effektive Reduzierung, wenn man alle Schulden as Basis nimmt (siehe hier: Griechische Pensionsfonds werden nicht geschnitten).

Ich wage mich nicht, Soros zu widersprechen. Allerdings sind 3 Monate als Zeitraum ziemlich knapp gewählt. Die 21%-“Lösung” vom Sommer hat immerhin 4 gehalten 😉

ekathimerini.com | Debt deal will not last more than three months, Soros says

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Interne Dokumente der Atomlobby: Professor Dankeschön – taz.de

Das nehme ich mal als kurzen Verweis für meinen Korruptionsticker auf.

Dieser Auftrag der Atomlobby war dem Professor, der ansonsten für das “Leitbild des ehrbaren Kaufmanns” eintritt, wohl selbst nicht ganz geheuer und daher hat er die Rechnung sicherheitshalber über die Agentur seiner Frau gestellt …

Na gut, er hat ja auch nicht vom “ehrbaren Wissenschaftler” geredet …

Interne Dokumente der Atomlobby: Professor Dankeschön – taz.de

FMS Bilanzierungsfehler beschert Schäuble keinen Cent!

Als Update zu Noch eine gute Nachricht vor dem Wochenende – egghat’s not so micro blog:

Um es noch einmal zu verdeutlichen: Die Saldierung der 55 Mrd. Schulden auf der einen Seite der Bilanz mit Wertgegenständen auf der anderen Seite der Bilanz ändert NICHTS an der Werthaltigkeit der FMS an sich (die Vermögen bzw. die Risiken sind genauso hoch wie vorher). Die Verrechnung ändert auch NICHTS an der Liquidität der Bank oder gar des Bunds. Es liegt auf keinem Konto auch nur ein Cent mehr als vor der Bilanzierungsänderung.

Das einzige, was sich ändert: Die Seite der Bilanz mit den Verbindlichkeiten der Bank ist jetzt um 55 Milliarden kürzer, genau wie die andere Seite der Bilanz (die Vermögen). Das ist durchaus wichtig, weil in der EU-Zählweise für die Staatsschulden bei verstaatlichten Banken die Verbindlichkeitsseite der Bilanz einfach 1:1 übernommen wird. Es wird also so getan, als wäre die gesamte andere Bilanzseite mit den Vermögen nicht da bzw. als sei die Vermögen allesamt nichts wert.

Im Fall von Irland ist das sehr entscheidend (und wurde von mir auch thematisiert und kritisiert), weil daraus über 30% der Staatsverschuldung entstehen. Das sind alles die Verbindlichkeiten der staatlichen Bad Banks. Wenn in deren Bilanzen die Vermögensseite aber mit vernünftigen Wertansätzen aufgeführt wurden, kann es gut sein, dass von diesen 30% nur wenig oder gar nichts übrig bleibt. Bei der Abwicklung der Bad Banks kann theoretisch sogar ein Gewinn entstehen. Gerade in Irland (ich schrieb es mehrfach) bin ich da nicht unoptimistisch. Die Iren haben die schlechten Assets, die in die Bad Bank übertragen wurden, um etwa 50% abgewertet (siehe IRLAND ZIEHT ZWEITEN SCHLUSSSTRICH UNTER DIE BANKENKRISE), es gibt also durchaus Anlass zur Hoffnung, dass die Wertansätze halbwegs fair sind. (Die Bewertung der Assets der FMS ist übrigens komplett unbekannt, was ich für einen kaum thematisierten Skandal halte).

Aber zurück zu Deutschland, zur FMS und Schäuble: Wenn von Milliardensegen für Schäuble die Rede ist (und die Überschrift (bzw. den Tenor) sieht man überall), ist das irreführend. Schäuble hat keinen Cent mehr Geld (auch nicht in Zukunft!), nur der nach Brüssel gemeldete Schuldenstand hat sich reduziert.

Update (30.10.11):

Nochmal ein Update dazu:

Guter detaillierter Artikel dazu bei den Querschüssen: Bad Bank als getarnte Wunderwaffe » Querschuesse (gefunden über Blicklog).

Die Saldierung, besser gesagt nicht vorgenommene Saldierung geht unter Umständen auf die Änderung der Bilanzierung von IFRS auf HGB zurück. Nach HGB (alte deutsche Bilanzierungsmethode, die aber für das Finanzamt immer noch maßgeblich ist) können Positionen und Gegenpositionen aggressiver miteinander verrechnet werden als nach IFRS. Die Verrechnung (also Saldierung), die jetzt vorgenommen wurde, war nach IFRS u.U. nicht erlaubt. (Übrigens darf auch nach der in den USA üblichen Bilanzierungsmethode US-GAAP offensiver saldiert werden. Die Hebel in den Bilanzen der Banken (Verhältnis Eigenkapital zu Bilanzsumme) sind also zwischen Europa und den USA nicht so einfach vergleichbar).

Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass die FMS Positionen nicht nur saldiert, sondern wirklich aufgelöst hat. Also die eine Seite des Geschäfts verkauft und die andere Seite des Geschäfts gekauft hat. Allerdings wäre das – da bin ich mir sicher – genau wie die paar Milliarden Bilanzreduzierung sehr offensiv als Erfolg verkauft worden. Die Verluste, die inzwischen das EK auf magere 800 Millionen Euro haben schrumpfen lassen, kommentierte die FMS auch mit “Wir freuen uns über die positive Entwicklung” (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Die Bad Bank der HRE braucht nochmal 19 Milliarden Euro)

Und was ich auch völlig verdrängt hatte: Die HRE hat ein Derivate Portfolio mit einem Bruttovolumen von mehr als 820 Milliarden Euro. Bei 800 Millionen Eigenkapital.

Wow! Das ist mal ein Hebel …

Was ist weiter nicht verstehe: Warum an so vielen Stellen in der Presse getan wird, als wäre jetzt irgendjemand reicher als vorher. Die FAZ macht sich scheinbar schon Gedanken, was man mit den 55 Milliarden alles machen könnte …

Buchungsfehler bei Bad Bank: Was man mit 55,5 Milliarden machen kann – Wirtschaft – FAZ

Update 2 (21:53):

Und noch so ein Artikel, der nichts erklärt, aber Häme schüttet:

Milliardenfehler bei Hypo Real Estate – Wer Plus und Minus verwechselt – Geld – sueddeutsche.de

Dabei schaffen es die Journalisten auch nicht, die Nummer richtig zu erklären. Stattdessen drucken Sie lieber die an Plattheit kaum zu überbietenden Aussagen der Politiker mit ab: “Das Finanzsystem ist außer Kontrolle geraten”. Etc. pp. Bla bla.

Als könne man den Zustand des Finanzsystems an einer Bilanz ablesen. Und als wären Bilanzen nicht schon immer mit einer gewissen Unschärfe ausgestattet gewesen.

Update 3 (31.10.11):

Noch was zum Lachen 🙂

Der Postillon: Legendäres Bernsteinzimmer in Keller von Hypo Real Estate aufgetaucht

Update 4:

OK, letzter Nachtrag:

PWC hat eine Pressemitteilung herausgegeben (via @blicklog). Sind natürlich nicht Schuld (wer hätte es anders erwartet). Lustig daran aber die Idee von @TeraEuro, der die Pressemitteilung in den (das?) BlaBlameter geworfen hat, wo sie (wer hätte es anders erwartet) einen ziemlich hohen Wert von 0,75 erreicht …

Das Urteil:

Ihr Text: 3173 Zeichen, 399 Wörter

Bullshit-Index :0.75Es stinkt gewaltig nach heißer Luft! Auch wenn Sie PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sind – beim Eindruck schinden sollten Sie Ihre Aussage nicht vergessen.”

Update 5 (02.11.11):

Allerletztes Update:

Dirk Elsner vom Blicklog weist darauf hin, dass leider schon wieder nicht über die wirklich wichtige Frage: “Was ist das Zeug in der Bilanz eigentlich wert?” geredet wird. Was angesichts der Intransparenz der Bilanz der HRE für Außenstehende auch nicht möglich ist …

Intransparenz über Risiken der Bad Bank der Hypo Real Estate ist das Problem, nicht der “Buchungsfehler”