Monatsarchiv: Oktober 2012

GR: Haushaltsplanung 2013: 5,2%/BIP Defizit, Schuldenstand 184,9%/BIP.

Primärüberschuss 0,4%/BIP, das heisst Griechenland wäre den Planungen zufolge 2013 ohne Zinsausgaben im Plus. Um es anders zu sagen: Stellt Griechenland die Zinszahlung einfach ein, könnte Griechenland die kompletten laufenden Staatsausgaben aus den laufenden Steuereinnahmen bedienen (das verbessert die Verhandlungsposition Griechenlands gegenüber den Gläubigern natürlich deutlich …)

Die Planung liegt bereits jetzt unter den ursprünglichen Planungen. Noch vor einigen Wochen wurde mit einem geringen Minus (Haushaltsdefizit) und einem höheren Plus (Primärüberschuss) kalkuliert. Da aber – mal wieder – die Wachstumserwartungen reduziert wurden – jetzt wird ein BIP Minus von 4,5% statt 3,8 bis 4,2% wie vorher erwartet – verschlechtern sich auch die anderen Werte.

Auch die Prognosen für den Schuldenstand mussten zwangsläufig erhöht werden. Bisher ging die griechische Regierung von 179,3%/BIP Ende 2013 aus, jetzt werden 184,9% erwartet. Das ist natürlich immer noch viel zu hoch und Griechenland hat keine Chance, einen solchen Schuldenberg zu bedienen. Ohne Schuldenschnitt wird da nichts gehen.

Die griechische Regierung will 2013 nun weitere 9,2 Mrd. Euro sparen, dazu kommen noch neue Sparmaßnahmen im Gesamtwert von 4,3 Mrd. für 2014 bis 2016.

ekathimerini.com | Budget provides for 4.5 pct contraction

Griechenland rechnet mit noch tieferer Rezession – Griechenland in der Krise – derStandard.at › Wirtschaft

Update (15:04):

Um zu sehen, wie schlecht die Entwicklung in Griechenland ist, reicht es, in einen etwa 15 Monate alten Artikel zu schauen:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Die volle Zahlendröhnung aus Griechenland IV – Primärüberschuss

Damals wurde bereits für 2012 ein Primärüberschuss von gut 2%/BIPs gesehen und ein Rückgang des Schrumpfungsrate für die Wirtschaft auf 3,9% (kurz vorher wurde sogar nur 3,0% BIP-Schrumpfung erwartet). Jetzt sind wir im Oktober nach zigfachen Korrekturen bereits bei -6,6% angekommen. Das reale BIP-Minus übertrifft die Prognose vom Sommer 2011 also um mehr als das Doppelte …

Die Vergangenheit lehrt eigentlich nur eines: Logg die Prognosen ein und staune in ein paar Monaten darüber, wie unglaublich weit diese verfehlt werden 😦

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WENAG #68: Stromspeicherung in Kies

Im Prinzip ein Pumpspeicherkraftwerk: Irgendwas mit Masse nach oben bewegen und dann bei Bewegung in die Gegenrichtung die Bewegungsenergie in Strom umwandeln.

Nur wird es in diesem Fall nicht mit hochgepumpten Wasser, sondern mit Steinen gemacht. Man baut eine Mischung aus Transportband und Skilift, hängt daran Eimer, die mit Kies o. Steinen gefüllt sind (oder gleich Betonklötze), und bewegt das den Berg rauf, wenn man Energie speichern möchte.

Braucht man Strom, lässt man die Masse talwärts fahren und treibt damit einen Generator an.

Der große Vorteil von Steinen/Beton: Sie sind bei gleichem Volumen viel schwerer als Wasser, speichern also mehr Energie auf kleinerem Volumen. Denn das ist ja das Problem bei Pumpspeicherkraftwerken: Man braucht sehr viel Wasser und sehr viel Höhe. Dafür gibt es Deutschland nicht so viele Standorte.

Generell erinnert die Grundidee mit dem Stein irgendwie entfernt an den Energiespeicher aus Granit: WENAG: Ein Berg zum Energiespeichern – egghat’s not so micro blog

Mögliche Probleme beim Kiesspeicher? Der Wirkungsgrad. Gibt es da nicht massig Reibungsverluste? Das zweite Problem: Die Energie muss von dem “Seil”, an dem die Gewichte hängen, abgegriffen werden. Hier wirken ja relativ große Kräfte ziemlich konzentriert.

Hmmm, vielleicht ist der Granit doch interessanter …

Neues Generatorsystem: Bill Gates investiert in Kies-Stromspeicher – Industrie – Unternehmen – Handelsblatt

Liebe Journalisten: Gibt es Rabatte nur für Politiker? Und für Euch nicht?

Natürlich gibt es sie … Beweis:

Quelle: DJV Hessen-Thüringen Juni 2012 (PDF) Seite 31

Ich will nicht verschweigen, dass das Ganze auch von einigen (vielen?) Journalisten kritisch gesehen wird. Aber es gibt die Rabatte eben auch für Journalisten und sie könnten sie nutzen. Sprich: Die Journalisten sitzen im gleichen Glashaus und befinden sich mitten drin im Hauen und Stechen der Parteien, die sich gegenseitig vorwerfen, dass der andere wegen irgendwelcher Rabatte von Versicherungen nicht mehr unabhängig wäre.

Dabei machen das SPD, CDU, FDP, IG Metall, Verdi, Deutscher Journalisten Verband, Handwerkskammern und wahrscheinlich jedes zweite große deutsche Unternehmen für seine Angestellten/Mitglieder …

Ihr sitzt alle im gleichen Glashaus … Und wenn ihr über Politiker- bzw. Parteimitgliederrabatte könnt ihr ruhig einen Disclaimer druntersetzen, in dem ihr darauf hinweist, dass das bei Euch Journalisten nicht wirklich anders ist.

Vergünstigungen für Parteimitglieder – Politik – sueddeutsche.de

Rabattvertrag zwischen Axa und CDU – “Die Union gibt ihre politische Unabhängigkeit auf” – Politik – sueddeutsche.de

Krankenkassen-Rabatte auch für SPD und FDP – Nachrichten Print – DIE WELT – Politik (Print DW) – DIE WELT

Generell halte ich das Ganze für ziemlich unkritisch, weil die Gruppenangebote für Parteimitglieder sich nicht wesentlich von den Tarifen unterscheiden, die anderen großen Organisationen unterbreitet werden … Ich kann mich ja beim Thema “Korruption“ leicht aufregen, aber in diesem Fall eher nicht … 

Update (01.11.12):

Zum Thema Glashaus und Steine werfen passt auch das (auch wenn es mit Steinbrücks Redeprämien eigentlich um etwas anderes geht):

Steinbrücks Nebeneinkünfte veröffentlicht – Plötzlich ist da nur noch Schweigen – Politik – sueddeutsche.de

Schön, dass die Süddeutsche mal nachhakt und sich fragt, was Döring (FDP) und Dobrindt (CSU) jetzt sagen, wo Steinbrück alles offen gelegt hat. Und auch, wo die eigenen Offenlegungen denn so bleiben …

Und die Frage würde natürlich auch an die Journalisten gehen. Meldet ihr Eure Einkünfte für Reden auf irgendwelchen Kongressen?

D: Arbeitslosenquote 10/12: 6,5% (+0,0 Vm, +0,0 Vj)

Erstmals Plus im Vergleich zum Vorjahresmonat bei der absoluten Arbeitslosenzahl; 16.000 mehr als im Oktober 2011. Daran kann man dann schon eine Trendwende ablesen. Der dicke Boom am deutschen Arbeitsmarkt neigt sich – wohl auch wegen der Eurokrise – dem Ende entgegen.

Der Rückgang der Arbeitslosenzahl von 35.000 im vergleich zum September ist da nicht mehr so wichtig, weil er hauptsächlich saisonal bedingt ist.

Es ist allerdings nicht Alles schlecht, denn die Anzahl der Beschäftigten ist von 41,41 Mio. im Oktober 2011 (davon 28,65 Mio. sozialversicherungspflichtig) auf 41,85 Mio. (davon 29,13 Millionen sozialversicherungspflichtig) gestiegen. Das ist in beiden Fällen weiterhin sehr positiv und wird wohl den Konsum in Deutschland auch fürs Weihnachtsgeschäft stabilisieren.

Der Arbeitsmarkt im Oktober 2012: Schwächere Beschäftigungsentwicklung – www.arbeitsagentur.de

Wen Jiabao hat 2,3 Mrd. Vermögen. Und er ist nicht der Einzige …

„Ich bin nur einer unter vielen.“

„Mein Vermögen ist nicht unnormal.“

Mit allen diesen Floskeln könnte sich Wen Jiabao herausreden und es würde sogar stimmen …

Mit den 2,3 Milliarden Dollar ist er zwar ein außergewöhnlich reicher Parteibonze, aber es gibt auch noch andere. Die Vermögen der reichsten 70 Delegierten des chinesischen Volkskongress (insgesamt 2000) werden auf 90 Milliarden Dollar geschätzt. Da sind also noch einige Milliardäre dabei …

Aber wirklich überraschend ist das nicht. Das Land ist groß, die Wirtschaft verdient sich dusselig und die Partei hat Einfluss auf alles. Da kann man als Entscheider in der Politik eigentlich gar nicht arm in Rente gehen …

Die KP hat China in ein einzigartiges System des Staatskapitalismus verwandelt: Kongress der Milliardäre – taz.de

Update (15:42):

Die FAZ hat heute einen sehr spannenden Artikel mit einer Liste der unverschämtesten chinesischen Politiker:

Selbstbedienung chinesischer Politiker: Was ist schon Opa Wen gegen Onkel Villa und Bruder Rolex? – Wirtschaftspolitik – FAZ

Dabei Zhang Shuguang, der satte 2 Milliarden Dollar Schmiergeld erhalten haben soll. Also nicht mit irgendeiner Firma verdient, sondern wirklich nur durch Handaufhalten …

Aber unabhängig von den Einzelfällen ist eine andere Zahl interessant: Der Gini-Koeffizient, der die Einkommensungleichheit einer Gesellschaft misst (wenn auch nicht perfekt), ist in China inzwischen bei deutlich über 0,40 angekommen. Je höher desto ungleicher ist eine Gesellschaft. Wikipedia weist 0,47 (bzw. 47%) aus. Zum Vergleich: Vor der Einführung des Kapitalismus in China lag der Wert bei 0,3, Deutschland liegt bei 0,28, Dänemark bei 0,247.

Update 2 (15:59):

Übrigens gibt es keine offiziellen Zahlen aus China zum Gini-Koeffizienten. Die chinesischen Behörden sehen sich nicht in der Lage, die Zahl zu liefern. Die daher mehr oder weniger inoffiziellen Zahlen der Weltbank decken aber die FAZ-Beschreibung: Von knapp 0,30 1982 stieg der Gini-Koeffizient bis 2007 auf 0,42.

Link

Lagarde-Liste mit 2.000 potentiellen griechischen Steuerhinterziehern veröffentlicht

Das wird spaßig … Denn auf der Liste dürften einige ziemlich bekannte Leute stehen, auch Politiker …

Ich habe über die Liste ein paar mal berichtet. Und fand es sehr bemerkenswert, dass Deutschland mit seinem Mini-Haushaltsminus sich auf die Kundenlisten der Schweizer Banken geradezu stürzt, Griechenland mit seinem Megaminus auf Ermittlungen gegen potenzielle Steuerbetrüger verzichtet. Angeblich dürfe man die Listen aus juristischen Gründen nicht verwenden. Wer glaubt wird selig.

Nun hat das griechische Magazin Hot Doc die komplette Liste veröffentlicht. Und jetzt wird gewühlt werden.

Auch wenn man nicht zwangsläufig Steuerhinterzieher ist, wenn man als Grieche ein Konto bei der HSBC in Genf hat, dürften wohl doch eine ganze Reihe Treffer dabei sein.

Let the Data-Digging begin! Da werden uns noch einige spannende Nachrichten erreichen … Ich würde die Veröffentlichung als bisher größten Treffer gegen die (zumindest in Teilen) korrupte griechische Führungselite werten …

NYT: List of Swiss Accounts Turns Up the Heat in Greece

Auch Griechenland hat jetzt Steuer-CDs aus der Schweiz … – egghat’s not so micro blog

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: 261 Mrd. Dollar Schwarzgeldabfluss aus Griechenland?

Update (09:32):

Der Journalist Costas Vaxevani, der die Liste veröffentlicht hat, wird übrigens von der Polizei gesucht. Bezeichnend, dass gegen den Journalisten quasi sofort ermittelt wird, die Steuersünder aber jahrelang ungeschoren davonkommen …

Exclusif : En Grèce, il ne faut pas dire la vérité : journaliste recherché par la police | Humanite

Update 2 (09:39):

Eine Betrachtung der Veröffentlichung von Inside Greece:

News or ad break? | Inside Greece

Update 3 (19:08)

Uuuuunnd verhaftet. Natürlich der Journalist …

Steuersünder veröffentlicht: Polizei nimmt Journalist fest – heute-Nachrichten

Update 4 (30.10.12):

Die FAZ hat auch noch was dazu:

Euro-Krise: Wie Griechenland seine Steuerhinterzieher sucht – Wirtschaftspolitik – FAZ

Ich habe allerdings eher das Gefühl, als würden die griechischen Behörden nicht suchen, sondern versuchen, nicht zu suchen …

Update 5 (02.11.12):

Vaxevanis ist wieder frei.

Journalist Vaxevanis freigesprochen: Griechenland rollt Steueraffäre auf – Wirtschaft – FAZ

Update 6 (07.11.12):

Die Liste gibt es (als eingescannte Bilder) übrigens hier:

Zensierte HotDoc Liste (Lagarde List) « nigecus

Lagarde-Liste mit 2.000 potentiellen griechischen Steuerhinterziehern veröffentlicht

Link

Etwas Trost für die viel kritisierten Ökonomen

Nicht nur in VWL kann man mit ziemlichem Schwachfug in die wissenschaftlichen Journale kommen, in der Mathematik klappt das auch. Da kann man sich das Paper sogar komplett durch den Computer generieren lassen …

(Wenn das der Guttenberg oder die Schavan geahnt hätten 😉 )

Computer generated Dissertation …

OK, sie wurde am Ende nicht veröffentlicht, weil der Initiator dieser Aktion die 500 Dollar Gebühr nicht mehr bezahlen wollte, aber wenn, wäre sie wohl publiziert worden.

Besonders schön finde ich, wie der Einwand (des im Übrigen per Peer-Review überprüften Journals), dass etwas arg viele Formeln in dem Papier wären, die etwas arg wenig erklärt würden, abgebügelt wurde: Ein (guter) Mathematiker würde damit schon klarkommen. Danach wollte sich wohl kein Reviewer mehr die Blöße geben, zugeben zu müssen, dass man die Arbeit intellektuell gar nicht durchdrungen hat …

Etwas Trost für die viel kritisierten Ökonomen