Monatsarchiv: März 2011

US Ratings in Europa bald ungültig ?!?

Hmmm. 

Die Nachricht: Keine Zulassung: US-Ratings droht in Europa das Aus – International – Politik – Handelsblatt

Dann schauen wir mal:

Standard & Poors ist amerikanisch.
Moody’s ist amerikanisch.
Fitch ist ebenfalls amerikanisch.

Und dann sind wir fertig.

Wer soll denn dann noch raten? Dagong aus China?

Und was soll bei den Ratings herauskommen? Erwartet die EU ernsthaft, dass in den USA und Europa am Ende unterschiedliche Ratings entstehen? Das eine Papier auf der einen Seite des Atlantiks gut und auf der anderen schlecht bewertet wird?

Oder will die EU einfach das Geschäft nach Europa ziehen und die Ratingagenturen dazu zwingen, die Ratings mehrfach zu erstellen? Einmal für den US-Markt und einmal für Europa? Damit in Europa auch viele Analysten damit Geld verdienen können?

Oder will die EU eher die Gründung einer europäischen Konkurrenz anschieben?

Das scheint mir einer der schwachsinnigeren Vorschläge im Nachhall auf die Finanzkrise zu sein. Wie wäre es mal, sich darüber Gedanken zu machen, warum diese Rating so unglaublich wichtig sind? Weil die Politiker sie so wichtig gemacht haben. Man könnte Banken auch fixe Eigenkapitalvorschriften machen, die nicht risikogewichtet sind, und schon wäre die Bedeutung der Ratingagenturen massiv gesenkt. Und die Banken (und Geldanleger) müssten eine ihrer Kernaufgaben, nämlich die Risikobewertung, wieder selber übernehmen. So wie es die Allianz auch macht … Die ratet nämlich alles intern …

Update (21:52):

Aha, die Ratingagenturen haben schon gesagt, dass sie sich unter diesen Umständen (es wird wohl auch an eine Haftung für die Ratings gedacht) vom europäischen Markt zurückziehen müssen/werden.

Drohung: Ratingagenturen wollen Pleiteländer boykottieren – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft

Advertisements

Kein weiteres Geld für Galileo

Gut, es war schon immer überflüssig (siehe auch hier: EU-GPS Galileo (nochmals) teurer und “Verschwendung von Steuergeldern” – egghat’s not so micro blog). Gut, es wurde schon mehrfach teurer. Gut, es sollte bereits seit ein paar Jahren fertig sein.

Jetzt wird von den europäischen Politikern gebremst, sprich behauptet, man würde kein weiteres Geld hinterherschieben.

Damit gibt es jetzt genau zwei Möglichkeiten für das europäische Satellitennavigationssystem:

1) Es werden ein Großteil der privaten Nutzungsmöglichkeiten entsorgt und es wird ein nahe ausschließlich militärisch genutztes System.

2) Es wird halt doch zu Ende finanziert und die aktuellen Bremser entpuppen sich als Maulhelden, die am Ende mit dem bereits ausgegebenen Geld das weitere rechtfertigen.

So wirklich gefällt mir keine der beiden Varianten ….

Satellitennavigationssystem: Staaten drehen Galileo den Geldhahn zu – International – Politik – Handelsblatt

Weiterer Renditesprung in Portugal

Die 10-jährigen Anleihen legen vergleichsweise langsam um 14 Basispunkte zu und werfen nun 8,24% ab. Die Rendite der zweijährigen springt hingegen nach oben (+37 Bp) und überholt mit 8,40% zum ersten Mal in der Krise die Langläufer.

Der Markt signalisiert damit zwei Sachen:

a) Der Renditeanstieg an sich weist auf eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Restrukturierung der portugiesischen Schulden hin.

b) Der stärkere Anstieg bei den kürzeren Laufzeiten spiegelt eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine baldige Restrukturierung wider.

Das müsste man jetzt mal mit den CDS für die unterschiedlichen Laufzeiten vergleichen, da fehlen mir aber leider die Daten. Aber es wäre nicht überraschend, wenn die Kreditausfallversicherungen inzwischen (pro Jahr) bei kurzen Laufzeiten teurer sind als bei langen. Das ist in Griechenland schon länger so, allerdings ist dort der Unterschied zwischen kurzer und langer Rendite auch wesentlich größer (15,52% zu 12,81%).

Irland ist übrigens noch nicht invers, 10,16% gibt es für die 10jährigen, “nur” 9,65% für die zweijährigen Staatsanleihen.

Video

Die Sunday Times findet den vierten korrupten EU-Politiker … Die ersten drei (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Was kostet das Stimmverhalten eines EU-Politikers pro Jahr?) sind inzwischen zurückgetreten.

Den 4. hätte ich glatt fast verpasst …

Dieses Mal ist es ein konservativer Politiker aus Spanien, der wie gewünscht ein Amendment für einen Gesetzesentwurf einbringt.

Pablo Zalba Bidegain, un nou eurodeputat implicat în scandalul de mita pentru legi.flv (von peternac26)

HGAA mit Milliardenverlust (und keiner ist Schuld)

Da kann die BayernLB ja froh sein, dass sie für dieses Fass ohne Boden einen Idioten gefunden hat, der die gekauft hat … Wobei einen Kaufpreis im engeren Sinne gab es ja nicht …

Egal, nach 1,6 Milliarden Euro Verlust 2009 gab es 2010 erneut 1,1 Milliarden Euro Miese. Die Auslöser sind wie gehabt: Viel zu großzügige Kreditvergabe und obskure Leasinggeschäfte auf dem Balkan …

Wegen Kreditvorsorgen: Erneuter Milliardenverlust für HGAA – Banken – Unternehmen – Handelsblatt

Der ehemalige Chef der Hypo Group Alpe Adria Wolfgang Kulterer ist übrigens in einem Verfahren wegen zweier kleiner Kredite (2,15 Mio.) freigesprochen worden. Auch wenn die Ermittler ihre Truppe auf den äußerst coolen Namen “CSI Hypo” getauft haben, konnten sie vor Gericht dann keine so handfesten Beweise vorweisen, dass Kulterer werden Untreue verurteilt werden konnte. Es scheint sogar so gewesen zu sein, dass die Beweise und Aussagen nur mangelhaft, ja geradezu dilettantisch geprüft wurden. 

Dabei wäre das so spannend: Die HGAA ist ein Kernelement im ganzen Korruptionssumpf rund um Jörg Haider, der nach dem Kauf durch die BayernLB bis zur CSU reichte.

Man könnte fast vermuten, dass da absichtlich schlampig ermittelt wird ..

Der Kulterer-Freispruch ist für die Justiz eine Riesenblamage « DiePresse.com

Gold und Silber in den USA einziges Zahlungsmittel?

„Kein Einzelstaat darf einem Vertrag, Bündnis oder einer Konföderation beitreten, Kaperbriefe ausstellen. Münzen prägen, Banknoten ausgeben, etwas anderes als Gold- oder Silbermünzen zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären“

VERFASSUNG DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA, Artikel 1, Abschnitt 10 (auf Deutsch z.B. hier: http://usa.usembassy.de/etexts/gov/gov-constitutiond.pdf).

Schau an!

Die Nummer in Utah, Gold- und Silbermünzen wieder als Zahlungsmittel zu akzeptieren, ist so überraschend dann auch nicht (siehe GOLD WIEDER OFFIZIELLES ZAHLUNGSMITTEL IN DEN USA). Oder sagen wir mal anders herum: Die Gründungsväter der Vereinigten Staaten konnten sich gar nicht vorstellen, das etwas anderes jemals Sinn machen könnte und haben das sogar explizit verboten …

(Wenn ich mich mehr in den goldverschörungstheoretischen Kreisen tummeln würde, wäre die Nachricht mit der Verfassung wahrscheinlich keine Neuigkeit für mich gewesen. So jedoch staune ich …)

Bild

Wäre es für Portugal nicht billiger (endlich) auf den EFSF zurückzugreifen, statt sich weiter zu hohen Zinsen Geld am Kapitalmarkt zu leihen?

Wäre es.

Wenn sich Portugal beim ESFS (European Financial Stability Fonds) mit dem Swapzins zzgl. des Aufschlags von 350 Basispunkte bis 3 Jahren Laufzeit bzw. 450 Basispunkte bei längeren Laufzeiten finanzieren würde, wäre das bei allen Laufzeiten von 2 bis 8 Jahren preiswerter. Allerdings nicht sonderlich viel.

Das kann man in der Grafik schön erkennen. Die rote Kurve ist der Kapitalmarktzins, die graue Kurve mit dem komischen Sprung drin ist der Zins für den EFSF (der Sprung ist übrigens die Stelle, an der der Zinsaufschlag von 350 auf 450 Basispunkte springt).

In 2013 wird der EFSF durch den ESM (European Stability Mechanism) abgelöst. Dann ändern sich auch die Bedingungen. Dieser unterscheidet sich in drei wesentlichen Punkten:

a) Es fehlt der komische Sprung, weil es nur Laufzeiten ab 3 Jahren gibt
b) sinkt der Aufschlag von 450 Basispunkten auf 300 Basispunkte und
c) wird nicht mehr der Swapsatz als Basis genommen, sondern der Zins der Anleihen, die der ESM begibt (was im Moment aber keinen wirklichen Unterschied ausmacht).

Das gibt in der Grafik die schwarze Kurve, die nochmal deutlich unter den aktuellen Kosten läge. 

Zwei weitere Datenpunkte würde ich noch gerne einloggen. Am 15. April muss Portugal 4,34 Mrd. Euro Altanleihen zurückzahlen, am 15. Juni 4,93 Mrd. Wenn ich den Kassenbestand Portugals richtig im Kopf habe (3,9 Mrd.) reicht das nicht einmal mehr für die Zahlung im April …

Quelle: HSBC Trinkaus: Der Markt heute, 25.3.2011 (PDF!)

Update (21:58):

Rendite der portugiesischen Anleihen heute übrigens:

2 Jahre Laufzeit: 7,43% (+36 Basispunkte)

10 Jahre Laufzeit: 7,93 (+14 Basispunkte)

Logischerweise beide neue Rekordhochs.