Monatsarchiv: September 2011

Ich habe versagt! Macht 10 Millionen bitte.

Eintrag 261 in dieser unendlichen Liste: Léo Apotheker.

Nach nicht einmal 11 Monaten rausgeworfen, weil er ein paar sehr wichtige strategische Entscheidungen getroffen hat, die schwer kritisiert wurden. Angestrebter Verkauf des PC-Geschäfts (Kerngeschäft), Kauf einer großen Softwarefirma (Autonomy), die nur unklare Synergien mit der Restfirma abwirft, Einstellung des eigenen Mobil-Betriebssystem WebOS, das zumindest einige strategische Optionen eröffnet hätte, und anschließender Firesale der entsprechenden Geräten zu Preisen, die deutlich unter denen lagen, die HP hätte erzielen können.

Die Quittung dafür: Aktienkurs in weniger als einem Jahr um 45% gefallen, also nahezu halbiert. Die Marktkapitalisierung liegt jetzt unter 50 Milliarden Dollar, Apple könnte den Laden also aus der Kasse (über 70 Mrd $) kaufen.

Apotheker juckt das jedoch nicht. Er bekommt 7,2 Millionen Dollar Abfindung und 2,4 Millionen Dollar Bonus (WTF? Wofür zum Teufel?) und darf die HP Aktien behalten, die er beim Antritt erhalten hat (bei 25$ Aktienkurs knapp 4 Millionen wert). Außerdem wird der Umzug zurück nach Europa bezahlt.

Zudem wird er auch noch ein normales Gehalt erhalten haben. Wenn der geleakte Vertrag stimmt, waren das 1,2 Millionen Dollar pro Jahr (dazu würde auch der oben genannte Mindestbonus von 200% =2,4 Mio. passen). Und aus dem geleakten Vertrag ergeben sich ebenfalls 4 Millionen Dollar Signing Bonus (Antrittsprämie), die zwar unter bestimmten Umständen zurückgezahlt werden müssen, was bei der Kündigung aber (IANAL) nicht greift.

Dann hat Apotheker also 

  • 4 Millionen Antrittsprämie
  • + 4 Millionen in Aktien
  • + 1,2 * (11/12) = 1,1 Millionen
  • + 7,2 Millionen Abfindung
  • + 2,4 Millionen Bonus.

also insgesamt

19,7 Millionen Dollar

für 11 Monate Arbeit bekommen, die einen halbierten Aktienkurs zur Folge hat.

Das macht 1,8 Millionen $ pro Monat, 60.000 $ pro Tag oder 2.487$ pro Stunde, auch während des Schlafs …

Geldsegen für Apotheker nach Rausschmiss bei Hewlett-Packard | Unternehmen | Reuters

Is HP really paying Leo Apotheker $1.2m a year basic plus $4m signing on fee? – Editor’s blog

Update (10:01):

TeraEuro meinte, ich solle doch mal den Firmenwertverlust pro Stunde ausrechnen … Finde ich ne witzige Idee, also ran …

Kurs bei Apothekers Antritt am 1.11.10: 42$, Kurs vor dem Rauswurf (den Kursanstieg nach Bekanntgabe des Raufwurfs kann ich Apotheker beim besten Willen nicht anrechnen): 22,50$. Anzahl der Aktien (auch wenn die sich wahrscheinlich in den 11 Monaten leicht geändert hat): 2 Milliarden.

Also: 2.000.000.000  * (42-22,50) = 39 Milliarden.

Macht gut 4,9 Millionen Wertverlust pro Stunde …

(wie oben alles leicht ungenau gerechnet, mit 11 Monaten à 30 Tagen)

Ströbele sagt Nein zum EFSF

und liefert auf seiner Seite eine durchaus lesenswerte Begründung: Lesetipp zum Freitagmorgen:

Hans-Christian Ströbele (MdB Bündnis90/Die Grünen) – Ströbele stimmt gegen Euro-Rettungsgesetz der Bundesregierung

Man kann ja von Obama enttäuscht sein …

… z.B. weil er die Allmacht der Banken nicht wirklich beschränkt hat, weil er Guantanamo nicht geschlossen hat, weil die US-Armee immer noch in Afghanistan ist, weil die Krankenversicherung immer noch nicht für alle wirkt, oder oder oder …

Aber man braucht nur einen Abschnitt aus der Welt, um zu wissen, dass es alles auch noch schlimmer sein könnte …

Mitt Romney wünscht sich, dass alle Amerikaner reich werden; Michele Bachmann will alle Steuern streichen; Ron Paul wird als Präsident die US-Zentralbank und fast alle Ministerien abschaffen; und Rick Perry verlangt, dass alle ein Herz für illegal eingewanderte Latinos und ihr Universitätsstudium in Texas haben sollten.

Reichtum für alle. Alle Steuern streichen.

Meine Güte, dümmere Thesen gibt es kaum, oder? Mit sowas kann man in den USA Wahlkampf machen …

US-Republikaner: Mit dem Klappstuhl heftig auf den Schädel gedroschen – Nachrichten Politik – Ausland – WELT ONLINE

Plant Hans-Olaf Henkel eine Anti-Euro-Partei?

Er setzt bislang auf die #FDP, sollte die aber nicht “seinen” Kurs einschlagen, könnte er sich auch eine eigene eurokritische Partei vorstellen. Bisher sind diese (u.a. die Pro-DM vom inzwischen verstorbenen Effectenspiegel-Gründer Bolko Hoffmann) ja alle grandios gefloppt …

Hmmm, wenn sich da die populistische Strömung um Anti-Euro mit den Sarrazin-Das-muss-man-doch-sagen-dürfen-Bejublern zusammen tun würde, hätte die wahrscheinlich durchaus eine Chance … Ob mir das gefällt oder nicht …

Hans-Olaf-Henkel macht übrigens zusammen mi dem Verein “Zivile Koalition” Veranstaltungen, für die die Leute sogar 20 Euro Eintritt(!) bezahlen, irgendwie auch mit von der Partie abgeordnetencheck.de

Zivile Koalition (+abgeordnetenceck.de) ist der Haufen, der vor einigen Wochen mit einem sehr einseitigen (und daher absichtlich hier nicht verlinkten) Video gegen den ESM/EFSF einiges Aufsehen erregt hat.
Nun verlinke ich das zwar doch noch, empfehle aber eigentlich eher die Lektüre des Originals. OK, die Lektüre ist wenig spannend, daher vielleicht lieber eine gute Zusammenfassung von @lostgen, die im Übrigen auch auf das Video eingeht: Entwurf für einen Vertrag zur Einrichtung des europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) « Verlorene Generation

Inzwischen halte ich die Entwicklung einer “Neu-FDP-Anti-Euro-Populismus”-Partei für beachtenswerter als vor einigen Wochen … Denn so langsam könnte das durchaus realistisch werden …

Stimmung gegen Gemeinschaftswährung: Henkel wirbt für Anti-Euro-Partei – taz.de

Flattrn nicht vergessen (bei der TAZ).

#Nokia: Bochum zu, verlagert nach Rumänien. Jetzt Rumänien auch zu.

Nur drei Jahre später …

2.200 Arbeitsplätze fallen in der Produktion weg, 1.300 in der Softwareentwicklung (ob in Cluj oder am Stammwerk ist mir nicht klar; ich wüsste nicht, dass in Rumänien auch Software entwickelt wird).

Da kann Bochum in Nachhinein ja noch froh sein, dass das Werk in guten Zeiten dicht gemacht wurde und es damals noch (teilweise extrem) hohe Abfindungen gab …

Interessanter finde ich jetzt die Frage, was mit den EU-Subventionen passiert, die damals für die neue Fabrik in Rumänien geflossen sind (es gab doch welche, zumindest wurde damals drüber diskutiert, oder?). Reichen die drei Jahre oder muss Nokia die EU-Zuschüsse nun zurückzahlen?

3500 Stellen gestrichen: Nokia schließt Werk in Rumänien – Unternehmen – Wirtschaft – FAZ.NET

Update (11:43):

Die gestrichenen Stellen in der Softwareentwicklung kommen in der Tat nicht aus Rumänien, sondern sind weltweit verteilt, u.a. auch in Bonn:

heise online – Nokia schließt Werk in Rumänien und Software-Standort Bonn

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Lehman-Zertifikatekäufer gehen (wohl) leer aus

Der Bundesgerichtshof betont zwar, dass es sich nicht um ein Grundsatz-Urteil handelt und der Einzelfall beurteilt werden muss, aber trotzdem senkt das Urteil die Chancen auf einen Schadensersatzanspruch der Anleger gegenüber der beratenden Bank/Sparkasse.

Definitiv eine schlechte Nachricht für die geschätzten 40.000 bis 50.000 Betroffenen Anleger in Deutschland, die dabei 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro verloren haben sollen. Davon hat bisher nur ein Bruchteil Geld zurück erhalten.

Hmm … Die Begründung der Richter ist übrigens interessant: Die Banken hätten den Anleger nicht über das Ausfallrisiko von Lehman aufklären müssen, weil das ja extrem unwahrscheinlich gewesen sei. Aha!

Lehman Brothers war damals mit A+ bei Moody’s und Standard & Poors bewertet (und übrigens noch mit A im Moment der Pleite). Also haben die Richter jetzt defakto gesagt, dass ein Rating von A+ “kein Risiko” bedeutet und man den Kunden nicht warnen muss. Dann können wir ja die Stufen mit den zwei As auch direkt abschaffen … Ist alles sicher, es gibt nicht zu befürchten …

Naja, wenn Gerichte in Deutschland bankenfreundliche Urteile fällen wollen, ist scheinbar keine Begründung zu absurd …

Grundsatzurteil des BGH: Keine Schadenersatzansprüche von Lehman-Opfern – Recht & Steuern – Wirtschaft – FAZ.NET