Monatsarchiv: November 2011

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Schuldenkrise: Notenbankallianz löst Kursrally aus – Wirtschaft – FAZ

Nur um die Topnachricht von heute etwas zu erklären, ich bin ja sowas wie der Erklärbär der deutschen Wirtschaftsbloggerszene 😉

Die Notenbanken haben heute untereinander unbegrenzte Swap-Geschäfte beschlossen und den (Straf-)Zinsaufschlag dafür von 100 auf 50 Basispunkte reduziert.

Damit können sich die Banken jetzt – unabhängig von der Währung der Sicherheiten, die hinterlegt werden – auch in anderen Währungen Geld beschaffen.

Unter Druck standen vor allem europäische Banken, die kaum noch an Kredite in den USA kamen. Die Banken (und Anleger) in den USA haben an die europäischen Banken kaum noch Geld verliehen, weil sie den Banken (und den Sicherheiten, die in Euro notierten) nicht mehr vertraut haben. Aber Sicherheiten in Dollar hat man als europäische Bank halt auch nicht in beliebiger Menge …

Die Abflüsse, die dahinter stecken, habe ich schonmal thematisiert: 

Der möglicherweise größte Nachfrager für die kurzfristige Finanzierung, der aktuell schlapp macht, sind US-Geldmarktfonds. Diese haben den Anteil ihrer Investments, die  bei europäischen Banken liegen, auf 35% reduziert. So wenig wie noch nie, seit Fitch diese Zahlen erhebt. Der Anteil der in Europa investierten Gelder ist seit Mai um 42%(!) gesunken. Zur Einordnung: Das aktuelle Volumen der Geldmarktfonds beträgt 642 Mrd. Dollar, wir reden also über relevante Summen, sprich dreistellige Milliardensummen. Dass das relevant ist, sieht man schon am Stresstest der europäischen Bankenaufsicht, die für die europäischen Banken (in der ersten Version) 106 Milliarden Euro neuen Eigenkapitalbedarf errechnet hat.

(siehe DER BANKEN-MARSCH IN EUROPA GEHT WEITER)

Nun ja, jetzt können die europäischen Banken ihre Sicherheiten in Euro (wohl bei der EZB) hinterlegen und sich dafür trotzdem (zu einem vertretbaren Zinsaufschlag) neue Dollars besorgen. Damit sollte jede Bank, sofern sie über ausreichend Sicherheiten verfügt, ausreichend Geld in jeder Währung bekommen können.

Dass man von diesen Geschäften so wenig weiss und mitbekommt, liegt vor allem daran, dass sich die Banken normalerweise im Interbankenhandel gegenseitig das Geld leihen. Bei der Notenbank holen sich die Banken nur im äußersten Notfall Geld (mit Ausnahme der normalen Geldgeschäfte). Das Volumen der Dollar-Swaps zwischen EZB und Fed lag bei mageren 2,3 Mrd. Euro. Eine Bank gilt schnell als problematisch, wenn sie sich bei der Notenbank Geld leiht, weil man das zu dem hohen Zins nur im Notfall macht, und sich alle anderen Banken sofort fragen, warum die anderen der Bank kein Geld mehr leihen. Also lässt man es lieber.

Nun hat man den Zins so weit reduziert, dass auch in Nicht-Notfällen diese Swapgeschäfte über die EZB Sinn machen, sprich der Notfallcharakter wurde diesen Krediten genommen.

Die Maßnahme zeigte einen gewissen Erfolg, die Risikoaufschläge sanken, die Zinsen bleiben aber mit 3% immer noch relativ hoch.

So, das war mein Erklärungsversuch, wenn der nicht “wirkt”, probiert mal den oben verlinkten bei der FAZ.

Update (01.12.11):

Wer wissen will, wie dramatisch teuer die Euro-Dollar-Swaps wurden, kann ich mal den Chart hier anschauen:

http://www.creditwritedowns.com/2011/11/chart-of-the-day-the-graph-that-shows-why-the-central-banks-had-to-act.html

Und Zerohedge (eigentlich JP Morgan) hat zwei interessante Details gefunden, die noch spannend werden könnten.

a) Grundsätzlich in place ist jetzt auch eine neue Maßnahme, mit der die Fed den US-Banken Yen, Euro, etc. zur Verfügung stellen kann. Quasi die umgekehrte Version der in den Schlagzeilen diskutierten Dollars für europäische Banken. Das Programm ist noch nicht aktiviert, das könnte jedoch schnell geändert werden.

Da fragt man sich natürlich schon, warum die Fed das macht? Knirscht es im US-Bankensystem auch schon schon wieder?

b) Die neuen Dollar-Swap-Geschäfte mit dem auf 50 Basispunkte halbierten “Strafzins” machen die Dollar-Notkredite für die europäischen Banken preiswerter als für die US-Banken. 

Update 2:

Noch eine relativ pessimistische Einschätzung in der FTD. Die Aktion von gestern war vor allem eine Notoperation. Das gute: Der Patient lebt noch. Das schlechte: Der Patient ist noch lange nicht über den Berg. Und außerdem ist die Tatsache, dass eine Notoperation notwendig ist, auch kein gutes Zeichen …

Intervention: Zu früh für Jubelsprünge | Politik | FTD Mobil

Schuldenkrise: Notenbankallianz löst Kursrally aus – Wirtschaft – FAZ

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Verbraucherschützer zeigen Maschmeyer an: Wiener Staatsanwalt prüft Betrugsvorwürfe gegen AWD – Wirtschaft | STERN.DE

Ein wenig Korruptionsticker noch. Habe ich schon lange nichts mehr eingetragen in den ganzen Wirren um den Euro …

Fangen wir mal an mit Maschmeyer und dem AWD. Sind jetzt von der österreichischen Verbraucherberatung (VKI) angeklagt worden. Gewerbsmäßiger Betrug. Es geht vor allem um die Immofinanz-Aktien, die der AWD in Österreich lange empfohlen hat.

Laut Stern ist unklar, ob auch Maschmeyer verklagt wurde, laut Standard (und die sollten eigentlich näher dran sein) ist auch Maschmeyer persönlich verklagt worden.

Mal schauen, wie das ausgeht …

Verbraucherschützer zeigen Maschmeyer an: Wiener Staatsanwalt prüft Betrugsvorwürfe gegen AWD – Wirtschaft | STERN.DE

1-Jährige Bundesanleihen mit negativer Rendite

Bloomberg meldet aktuell -0,04% Zinsen, im Tief waren es sogar schon 0,07%.

Der Intraday-Chart deckt das hingegen nicht, der ist immer im Plus (vielleicht ist der Chart aber auch kaputt und kann einfach keine negativen Werte anzeigen …)

German Government Bonds 1 Yr BKO (GDBR1:IND) Index Performance – Bloomberg

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Chinesische Zentralbank senkt Mindestreserveanforderungen. Kühlt die chinesische Volkswirtschaft zu stark ab?

Auf jeden Fall eine Nachricht wert: Nachdem die chinesische Notenbank Anfang 2010 begann, die Mindestreserveanforderungen für die Banken zu erhöhen und diesen Kurs bis zum Sommer 2011 gehalten hat (der Satz stieg von 15,5% auf 21,5%), leitet die People’s Bank of China nun wohl die Trendwende ein. Um 50 Basispunkte wurde der Mindestreservesatz auf jetzt 21,0 % gesenkt.

Die Mindestreserveanforderung definiert, wie viel Geld die Banken zwangsweise bei der Notenbank hinterlegen müssen. Dieses Geld fehlt damit den Banken, um es weiter verleihen zu können. Bei einer Erhöhung des Mindestreservesatzes müssen die Banken ihre Kreditvergabe einschränken, bei einer Senkung können sie das Kreditvolumen ausweiten. Die Mindestreserve macht Geld also knapp, während der Leitzins das Geld in erster Linie teurer bzw. billiger macht.

Natürlich ist der Effekt am Ende in den meisten Fällen ein sehr ähnlicher (bei steigendem Zins sinkt die Nachfrage, bei höherer Mindestreserve das Angebot (=Nachfrage) und damit steigt der Preis), allerdings wirkte (aus meinem Gefühl heraus) die Mindestreserve direkter, sprich schneller. Weil es im Prinzip bei beiden Steuerungsmechanismen um das gleiche handelt, laufen beide Sachen auch immer relativ parallel, man darf sich in den nächsten Wochen von allem möglichen überraschen lassen (z.B. vom Christkind 😉 ), nur nicht von einer Leitzinssenkung in China. Die ist jetzt quasi gesetzt.

Die Frage, die sich jetzt stellt: Ist der chinesischen Notenbank die Abkühlung der Wirtschaft schon weit genug fortgeschritten? Oder ist die Senkung vor allem eine Reaktion auf die sich abkühlende Inflation?

Generell machen die Chinesen – soweit man das aus der Ferne beurteilen kann – die Sache nicht schlecht. Sie erhöhen die Zinsen relativ früh und warten dann auch nicht ab, bis die Wirtschaft in den freien Fall übergegangen ist, sondern drehen bereits frühzeitig wieder an der Zinsschraube.

Aber warten wir mal ab. Es gibt wohl nicht schwierigeres als eine gute Zinspolitik.

Eine andere Frage wäre, in wie weit die Zinspolitik in China noch ihre volle Wirkung entfaltet. Denn es gibt ein nicht zu unterschätzendes Parallel-Banken-und-Kreditwesen, über die (gerade in der Provinz) schon ein Drittel oder mehr der Gesamtkredite vergeben werden. Aber das ist Zeug für ein weiteres Posting, wann auch immer ich die Zeit dafür finden soll …

US-Banken haften mit 518 Mrd. Euro für PIIGS

Nur über Kreditausfallversicherungen …

Klar, ein großer Teil der Geschäfte ist auf der Gegenseite wieder abgesichert und so tauchen in den Bankbilanzen “nur” 45 Mrd. Dollar auf. Netto bleibt hier – wie üblich bei den Banken – nur ein Bruchteil der Bruttosumme übrig. Allerdings: Fällt ein Glied der Kette aus, wird aus netto schnell brutto und das ganze fällt wie beim Domino Day um. Dass dieses Counterparty-Risk, das Ausfallrisiko der Gegenseite, in den Eigenkapitalvorschriften der Banken nicht vernünftig berücksichtigt wird, ist eines der größten Probleme, die die Bankenregulierung hat.

Zu den 518 (bzw. 45 Mrd.) kommen noch 181 Mrd. Euro Kredite, die die 5 großen US-Banken (JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Goldman Sachs, Bank of Amerika und Citigroup) ganz direkt in den 5 Länder vergeben haben.

Eine unkontrollierte Pleite eines europäischen Lands (oder einer europäischen Großbank) wird auf der anderen Seite des Atlantiks genauso Wellen werfen wie die Lehman Pleite 2008 in die andere Richtung. Das System ist genau so – wenn nicht gar stärker – miteinander vernetzt als je zuvor …

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American Airlines: Geschäftsmodell Pleite | FTD.de

Wenn man einen Zeitstrahl nimmt und darauf die großen Fluggesellschaften der USA und die jeweilige Zeit, in der sie Pleite waren, einträgt, wird das ein ganz schön voller Chart …

Man hat ja fast das Gefühl, dass die Gesellschaften im Schnitt häufiger Pleite als liquide sind …

American Airlines: Geschäftsmodell Pleite | FTD.de

37 Großbanken (u.a. Goldman Sachs) herabgestuft

Runter geht’s u.a. für
Goldman Sachs (A-),
ING,  
BBVA,
Bank of America,
Bank of New York Mellon,
Barclays,
Citigroup,
HSBC (A+),
JP Morgan (A),
Lloyds (A-),
Morgan Stanley (A-),
Royal Bank of Scotland (A-),
UBS (A) und
Wells Fargo (A+) (und einige kleinere).

Die Deutsche Bank (A+) bleibt hingegen stabil, wie auch die BNP Paribas (AA-), Commerzbank (A), Crédit Agricole, Credit Suisse, ING (A), Société Générale (A+), Unicredit (A).

Bank of China und China Construction Bank gehen sogar eine Stufe rauf, wenn ich es richtig sehe als einzige.

Die gesamte Liste inklusive der ganzen Töchter gibt es hier:

Zerohedge: Standard And Poors Reviews 37 Global Banks, Downgrades Bulk – Full List Attached

Update (30.11.11):

Hier gibt es die Liste als besser lesbares PDF und dazu noch direkt vonder Quelle: