Monatsarchiv: Juli 2011

Groupon Geschäftskunden unzufrieden …

Bei allem Gemeckere über Groupons hohle Bilanz (siehe GROUPON: FINGER WEG! und das kleine Update hier: GROUPON BÖRSENPROSPEKT ZUM ZWEITEN MAL ABGELEHNT) könnte es ja doch sein, dass die “Finanzkennzahl” CSOI (consolidated segment operating income) einen gewissen Sinn macht. Groupon rechnet in dieser Zahl die Marketingkosten aus dem Kostenblock heraus und sieht so gut 85 Millionen Dollar “Gewinn”, wo nach normaler Berechnung etwa 250 Millionen Verlust stehen würden.

Die Idee hinter dieser Kennzahl ist einfach: Groupon sieht die Marketingkosten als einmalige Kosten an, die man nur in der Markteroberungsphase benötigt. Sobald man den Kunden einmal erobert hat, kann man sich die Marketingkosten sparen und dann sprudelt der Gewinn. So zumindest die Überlegung.

Wenn die Kunden treu bleiben, kann diese Überlegung durchaus aufgehen. Nur scheint diese positive Interpretation eben nicht richtig zu sein. Eine (wegen nur 16 Ergebnissen leider wenig repräsentative) Umfrage bestätigt aber die skeptische Einschätzung, die ich auch schon mehrfach gehört habe: Viele Geschäftsinhaber lassen sich einmal testweise in den Groupon-Deal “reinquatschen”, sehen dann aber, welche Kunden sie damit locken, sehen, dass diese nur wegen des Rabatts kommen und damit einfach nicht profitabel sind. Kurz: die Leute, die wir hier um Ruhrgebiet “Lauschepper“ nennen. Man müsste mit dem Groupon-Deal aber langfristig Kunden gewinnen, denn der erste Deal ist dank des hohen Mindestrabatts, den Groupon verlangt, nur selten profitabel. Profitabel wird der ganze Deal oft erst, wenn die Kunde noch mehrfach – und zum Normalpreis – in den Laden zurückkehrt.

Das passiert aber nicht und deshalb machen viele Geschäftsinhaber den Groupon-Deal genau einmal und nie wieder. In der Umfrage waren es mehr als die Hälfte der Geschäftsinhaber, die keinen weiteren Deal machen wollten.

Was die Geschäftsinhaber noch so sagen:

Nur die Hälfte der Geschäftsinhaber würde Groupon weiter empfehlen, nur etwa die Hälfte hat mit Groupon Geld verdient, Groupon weist keine besonderen Vorteile gegenüber Konkurrenten gegenüber LivingSocial auf, etc. pp.

Alles keine sonderlich positiven Zahlen, wenngleich man das auch längerfristig beobachten müsste. Denn wenn die 50% wirklich an der Angel bleiben und mit Groupon erfolgreich Kunden gewinnen können, ist das für Groupon vielleicht gar nicht so schlecht.

Allerdings kann man selbst in dieser optimistischen Version zumindest das Wachstum nicht im bisherigen Tempo weiter schreiben, was die Bewertung für Groupon senkt. Außerdem scheinen die Geschäftskunden meine Meinung zu teilen, dass man anderen Kuponanbietern genauso gut arbeiten kann. Und das bedeutet für Groupon Konkurrenz und Konkurrenz bedeutet Margendruck.

Ich bleibe skeptisch …

GROUPON SURVEY RESULTS: More Than 50% Of Groupon’s Business Customers Do Not Want To Issue Groupons Again

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Detroit Ruinen Pr0n mal wieder …

… ich hatte ja eigentlich versprochen, nicht dauernd Detroit Ruinen Pron Fotos zu verlinken, aber wenn’s doch Kunst ist …

In der Ankündigung als “Machu Pichu” der Moderne  beschrieben. Na ja, leicht übertrieben, trotzdem durchaus spannende Fotos.

Kann man sich jetzt als Kunstbeflissener auf jeden Fall in Paris in einer Ausstellung anschauen:

Yves Marchand & Romain Meffre Photography

oder auch als Buch (Amazon: Marchand/Meffre: The Ruins of Detroit) shoppen.

Auch S&P stuft Zypern herab

Kleines Update zu Jetzt wackelt auch Zypern … – egghat’s not so micro blog

Nach Moody’s folgte jetzt auch Standard & Poors mit einer Herabstufung. BBB+ statt A-, als eine Stufe tiefer als zuvor.

Gähn.

Effectenspiegel verliert Klage gegen DeuBa wg. Postbank Kauf

Der Fall ist einfach darzustellen:

Die Deutsche Bank hat irgendwann begonnen, sich Anteile an der Postbank zu kaufen. Dabei kaufte sie sich gut 25% Anteil an der Postbank von der Post in Aktien, dazu noch Optionen und eine Wandelanleihe, die in Aktien umtauschbar war. Der reine Aktienanteil lag unterhalb der Schwelle von 30%, inkl. der Optionen und der Wandelanleihe kontrollierte die Deutsche Bank aber schon damals die Mehrheit an der Postbank.

Bekanntlich muss eine Firma beim Überwinden der 30%-Schwelle den außenstehenden Aktionäre ein Pflichtangebot machen. Zum Zeitpunkt des Kaufs lag der Kurs bei 45 bis 50 Euro. Genau diesen Preis hat die Deutsche Bank für die direkt und indirekt erworbenen Anteile auch bezahlt, aber trotzdem kein Pflichtangebot abgegeben. 

Dann kam die Finanzkrise und der Kurs der Postbank Aktie brach ein. Die Deutsche Bank löste die Optionen und die Wandelanleihe ein, besaß damit nun mehr als die 30% in reinen Aktien und gab daher auch ein Übernahmeangebot ab. Das lag aber nur noch bei 25,50 Euro je Aktie.

Der Effectenspiegel hat die Deutsche Bank daraufhin verklagt und wollte das Übernahmeangebot (genauer das Geld) im Nachhinein bekommen. Das Gericht hat das heute abgelehnt und der Deutschen Bank Recht gegeben.

Hmmm, damit ist die Umgehung der 30% Schwelle über Optionen also jetzt gesetzlich abgesegnet. Was ich nicht nachvollziehen kann. So einfach kann man es einem Aufkäufer doch nicht machen … Die ganze Regelung mit der 30%-Schwelle lässt sich so doch komplett aushebeln. 

Gut, dass das Gericht wenigstens die Revision offen gelassen hat. Die wird der Effectenspiegel auch einlegen …

Keine Nachzahlung: Deutsche Bank darf sich Postbank billig einverleiben | FTD.de

WENAG #22: Der Wrongulator

Ein Taschenrechner, der immer falsche Ergebnisse anzeigt.

Ein Riesenspaß für

Wrongulator: a gag calculator that gives the wrong outcome – Boing Boing

Moody’s überprüft Spaniens Aa2-Rating

… mit Blickrichtung nach unten versteht sich.

Angesichts der Zinsen von 6,15%, die Spanien aktuell für zehnjährige Anleihen bezahlen muss, wäre alles außer einer Herabstufung eine Überraschung. Ein Rating, das das drittbeste auf der Skala ist, und der Zins passen einfach nicht zusammen. Auch die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) sind mit 370 hoch (25 Punkte mehr als gestern).

Beides entspricht eher Ratings im Bereich bei Baa oder sogar Ba, also ca. 6 bis 9 Stufen niedriger. Die Frage ist eher: Knapp kein Junk oder knapp im Junk. 

FT Alphaville » Moody’s puts Spain on review for downgrade

Recherche it like Murdoch: Bunte feuert Politikchef

Ach nee, deutsche Medien versuchen sich (wie die News of the World auch) auf dunklen Wegen Informationen zu beschaffen …

OK, Teile waren schon bekannt. Dass die Bunte eine Detektei beauftragt hat, die Spitzenpolitiker beschatten sollte, kam ja schon letztes Jahr ans Licht.

Nun im Mittelpunkt des Interesses der Bunten ein “namhafter Bundespolitiker”, von dem angeblich Aufnahmen bei Sexparties und beim Konsum von Aufputschmitteln existieren sollen. Zumindest behauptete das ein anonymer Informant und wollte der Bunten entsprechendes Material beschaffen. Der inzwischen gefeuerte Politikchef Lobe besorgte dann passende Kameras und sprach auch das weitere Vorgehen mit dem Informanten ab. Besonders perfide: Er überlegte anonym Strafanzeige zu erstatten, weil bei Ermittlungen ein öffentliches Interesse besteht und die Journalisten dann frei von der Leber berichten dürfen. Haha, der wusste also genau, wie weit neben der Spur die Nummer ist und hat sich die direkt den passenden Workaround zurechtgelegt. Übrigens alles ohne Rücksprache mit der Chefredaktion …

Ich hoffe, es bleibt nicht bei der Bunten und auch in einer “Zeitung” gibt es noch einen passenden Skandal, damit denen endlich mal das Handwerk gelegt wird.

Meedia: Unlautere Recherche: Bunte feuert Politikchef