Monatsarchiv: April 2012

Esp: BIP Q01/12 -0,3% (Vq), -0,4 (Vj)

Damit steckt Spanien wieder ein der Rezession, denn das ist das zweite Quartal in Folge mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung (zum Vorquartal: Esp: BIP Q04/11 -0,3% (Vq), 0,3 (Vj) – egghat’s not so micro blog)

Mit dem zweiten Rückgang in Folge ist auch das Wachstum im Vergleich mit dem Vorjahresquartal wieder in den negativen Bereich zurückgefallen. Aus der Jahresrate von +0,9% im ersten Quartal 2011 ist nun wieder ein Rückgang um 0,4% geworden.

Und eine Wende ist nicht in Sicht. Die Jahresrate dürfte im Verlauf von 2012 noch deutlich schlechter werden. Selbst eine zwei vor dem Komma würde mich nicht mehr komplett überraschen, minus 1,5% erwartet ja z.B. die Ratingagentur Standard & Poors (siehe S&P stuft Spanien auf BBB herab (Ausblick negativ) – egghat’s not so micro blog).

INE.es: Estimación avance de la Contabilidad Nacional Trimestral – Base 2008 – Primer trimestre de 2012 (PDF)

Update (11:44):

Wie Zerohedge anmerkt, ist Spanien das elfte Land in Europa, das die Kriterien einer technischen Rezession (2 Quartal mit negativem BIP-Wachstum hintereinander)) erfüllt. 

Die komplette Liste:

  • Spanien
  • Großbritannien
  • Slowenien
  • Griechenland
  • Italien
  • Portugal
  • Irland
  • Belgien
  • Dänemark
  • Niederlande
  • Tschechien

Spain Officially Double Dips, Joins 10 Other Western Countries In Recession | ZeroHedge

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Bild

Bei

0,089%

lag heute am Tagestief die Rendite der deutschen Staatsanleihen mit 2 Jahren Laufzeit. So niedrig wie noch nie zuvor.

Die Flucht in Sicherheit ist weiterhin so groß, dass die Anleger bei etwa 2% Inflation pro Jahr ihr Geld zu weniger als 0,1% Zinsen in deutsche Staatsanleihen stecken. Die Anleger nehmen hierbei einen sicheren Verlust für (vermeintliche?) Sicherheit in Kauf.

Starke Idee: Doku-Filmer kauft sich Diplomatenausweis

und steigt in den Handel mit Blutdiamanten ein.

Der dänische Dokumentarfilmer Mads Brügger ist genauso vorgegangen: Für 135.000 Euro hat er sich den “Diplomatenausweis” (inkl. Führerschein und Ehrendoktorwürde) von Liberia für die Botschaft in den Zentralafrikanischen Republik gekauft. Damit hat er dann die diplomatische Immunität und damit könne man, so Brügger trocken, “Millionen in Dollar oder Diamanten durch die Schleusen am Flughafen bringen, und kein Mensch hält Sie auf.”

Tja, und weil sich das alles schon so anbietet, stieg er gleich noch in eins der wohl düstersten Geschäfte Afrikas ein, den Handel mit Blutdiamanten.

Eine Mischung aus Borat und Ecomist. Hört sich an, als sollte ich mir das anschauen … (und ihr das Interview in der FTD lesen).

Mischung aus “Borat” und “The Economist”: Der Mann mit der Botschaft | FTD.de

IKEA verkauft (doch keine) Häuser

Es fing aber an mit “Keiner will Häuser von IKEA”. Nun hat IKEA den Verkauf der Fertighäuser inkl. Grundstück in Deutschland eingestellt. Diese wurden nicht nur aktiv aus dem Vertrieb genommen, es gibt sie auch auf Nachfrage nicht mehr.

Dabei erschien das Modell: Standardhaus inkl. Grundstück zum Festpreis nicht ganz uninteressant. In Großbritannien schien das 2007 auch ganz gut angelaufen zu sein:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Neu bei Ikea: Billy – Das Haus

2010 startet IKEA dann auch auf dem deutschen Markt. 

IKEA verkauft Häuser – egghat’s not so micro blog

Das ging damals breit durch die Presse und es soll auch viele Interessenten gelockt haben. Dummerweise wurden aus vielen Interessenten nur wenig Käufer, um nicht zu sagen, extrem wenige Käufer. Ganze

8 (acht)

Häuser soll IKEA in Deutschland losgeworden sein. Das ist natürlich nichts …

Man kann jetzt natürlich hier ‘ne Menge IKEA Witze über wacklige Regale und “wer will davon schon ein Haus haben”-Sprüche einfügen, aber das Scheitern in Deutschland ist doch ziemlich überraschend. Erstens war der Partner für Deutschlans mit Bien-Zenker ein sehr renommierter Fertighaushersteller. Zweitens war der Erfolg in anderen Ländern keine kurzfristige Blase, sondern dort scheint das Modell immer noch zu funktionieren.

IKEA soll vor kurzem 11 Hektar Land in der Nähe von London gekauft haben und will das mit den in Deutschland gescheiterten Häusern bebauen. (Der Bericht in der Welt wird hier aber etwas komisch, denn 11 Hektar sind 0,11 Quadratkilometer, ergo etwa 330*330 Meter. Darauf sollen dann über 1000 Häuser gebaut werden, es soll autofrei werden, etc. pp. Da passt die Flächenangabe nicht wirklich zur Aussage “Stadtteil” …)

So unterschiedlich können nationale Märkte in Europa immer noch sein …

Möbelkonzern: Ikea scheitert mit dem Verkauf von Fertighäusern – Nachrichten Wirtschaft – WELT ONLINE

Link

S&P stuft Spanien auf BBB+ herab (Ausblick negativ)

Das sind jetzt zwei Stufen weniger als vorher und nur noch knapp in der Investmentqualität (BBB und BBB- sind die letzten zwei Stufen …). Zur Erinnerung: Vor der Krise hätte jetzt niemand mehr seine spanischen Staatsanleihen bei der EZB als Sicherheit hinterlegen können, weil dafür ein Mindestrating von A- verlangt wurde (lang, lang ist’s her).

Hauptgrund der Herabstufung sind die gesenkten Wachstumserwartungen für die spanische Volkswirtschaft. Und Wachstum sah S&P (wahrscheinlich als letzter auf diesem Planeten) tatsächlich für Spanien und zwar 0,3% 2012 und 1,0% 2013. Jetzt aber nicht mehr. Die Prognose wurde massiv auf -1,5% 2012 und -0,5% 2013 reduziert.

Ein anderer wichtiger Parameter ist aber auf gutem Kurs: Die Leistungsbilanz hat sich deutlich verbessert. Die Exporte Spanien haben nach dem Ende der Krise deutlich zugelegt, die Importe sind – das Land spart halt an allen Ecken und Enden – mehr oder weniger stabil. Das Leistungsbilanzdefizit, das 2007 bei etwa 10% des BIPs lag, ist 2011 auf nur noch etwa 3,5% gesunken. S&P erwartet 2013/2014 eine ausgeglichene Leistungsbilanz, danach sogar ein Plus. Nur bei einem Leistungsbilanzplus kann ein Land Einnahmen aus dem Ausland erzielen und diese zur Tilgung von Schulden gegenüber dem Ausland einsetzen.

Aufgrund der gesenkten Wachstumsprognosen glaubt S&P auch nicht an die offiziellen Haushaltsziele der spanischen Regierung.  Statt -5,3%/BIP und 3,0%/BIP (2013) sieht Standard & Poors -6,2% und -4,8%. Das Maastrichtkriterium (3,0%) würde 2013 also deutlich verfehlt.

All das führt zu einer deutlichen Erhöhung der Prognose für den Gesamtschuldenstand des spanischen Staats von 64,4% auf 76,6%.

Weitere Gefahren sieht S&P im spanischen Bankensektor, der sich fast nur noch über “öffentliche” Quellen refinanzieren kann, sprich über die EZB und nicht mehr über den Markt. Hieraus könnten weitere Belastungen entstehen. Auch könnte die Wirtschaftsprognose noch schlechter als die eh schon gesenkte ausfallen, im Worst Case Szenario kann sich S&P sogar einen Einbruch um 4% (2012) und nochmal 1% (2013) vorstellen. Dann wäre eine Schuldenanstieg über 80% des BIPs möglich und das würde S&P wohl mit einer weiteren Senkung des Ratings bestrafen. Daher bleibt der Ausblick auch auf negativ.

S&P stuft Spanien auf BBB+ herab (Ausblick negativ)

Video

Schaut’s Euch an. Sehr interessante Taktik … Spieltheorie …

Jeder Spieler hat zwei Kugeln. In einer steckt “teilen”, in der anderen “stehlen”. Entscheiden sich beide Spieler für “teilen”, wird der Gewinn geteilt. Entscheiden sich beide Spieler für “stehlen”, bekommen beide nichts. Entscheidet sich der eine für “teilen”, der andere für “stehlen”, bekommt der “Stehler” alles, der Teiler nichts.

Die Gegenseite sieht den Inhalt der Kugeln nicht, der Spieler kennt sie aber. Die Spieler dürfen sich vorher unterhalten und die Taktik auskaspern und ankündigen. Man weiss aber natürlich nie, ob die Gegenseite die Versprechungen auch einhält … Das ist die große Gefahr, wenn man sich auf “teilen” einigt.

Also muss man es anders versuchen …

golden balls. the weirdest split or steal ever! (von spinout3)

Diskussion dazu: 

gefunden über Twitter

Knapp ein Viertel aller Abgeordneten waren bei jeder Abstimmung anwesend

Also bei jeder der 62 namentlichen Abstimmungen der aktuellen Legislaturperiode seit 2009, bei den anderen lässt sich das ja nur schwierig nachprüfen.

Exakt sind es 22,9%, addiert man die Abgeordneten dazu, die nur einmal gefehlt haben, kommt man auf 32,9%.

Generell sind die Fehlquoten relativ niedrig. CDU (5,0%)  und FDP (6,0%) führen, selbst die CSU auf dem vorletzten Platz liegt nur bei 8,4%. Weit abgeschlagen auf dem letzten Platz liegt die Linke, die auf 14,6% kommt.

Die Fehlquote scheint dabei stark von der Machtverteilung abzuhängen und da vor allem am Vorsprung der regierenden Koalition. Als Schwarz-Rot regierte, fehlten zum Beispiel die Abgeordneten der FDP am häufigsten (13,2%). Jetzt ist der Vorsprung klein und dann kommt man halt häufiger.

Spitzenreiter bei den Fehlzeiten ist Peter Gauweiler (CSU), der auch schon früher (selbst im Landtag Bayern) mit hohen Fehlzeiten auffiel. Aber 58% dürften ungeschlagen sein …

Auf Platz 2 übrigens Angela Merkel mit 56,5% … Aber die reist ja auch permanent in der Weltgeschichte rum und muss den Euro “jetzt aber endgültig und zum letzten Mal” retten ….

Generell muss man diese guten Zahlen (lassen wir mal den Gauweiler weg) aber mit etwas Skepsis betrachten. Denn die namentlichen Abstimmungen sind ja nur ein Teil der parlarmentarischen Arbeit. Und mal eben die Diskussion schwänzen und zur Abstimmung rüberzukommen sorgt zwar für eine schöne Statistik, aber entspricht trotzdem nicht so richtig dem Idealbild eines Parlaments, dessen Namen ja immerhin von “parlare”, sprechen abgeleitet wird …

Bei Abgeordnetenwatch findet ihr alle einzelnen Zahlen, wahlweise nach Abgeordneten (schaut mal euren Wahlkreis an) oder nach Abstimmung.

abgeordnetenwatch.de: Blog » 142 Abgeordnete fehlten bei keiner Abstimmung – Gauweiler “Spitzenreiter beim Blaumachen”