Monatsarchiv: Mai 2011

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Schuldenkrise: Erste Landesbank schreibt Griechenland ab | FTD.de

Scheinbar zwar nur vorsichtig, aber immerhin nimmt die NordLB als erste deutsche Bank Abschreibungen auf die griechischen Staatsanleihen vor, die sich nicht vornehmen müsste.

Es scheint sich also die Befürchtung zu bestätigen, dass der Großteil der griechischen Staatsanleihen noch mit dem vollem (= ehemaligen) Wert in den Bilanzen der Banken steht. Auch wenn die Börsenkurse bei dreijährigen Anleihen etwa 35%, bei zehnjährigen sogar etwa 50% unter dem Nennwert liegen.

Ich glaube, dass man an diesem Fall sehr schön erkennen kann, wie viel heiße Luft in den Bankbilanzen stecken kann. Und das Problem ist durch die aufgeweichten Bilanzierungsregeln, mit denen man die Banken in der Finanzkrise 1.0 retten wollte, noch viel größer geworden.

Im Fall von Griechenland können sich die Banken sogar noch schön rausreden. Abschreibungen auf Griechenbonds sind politisch nicht erwünscht, weil die Banken damit den europäischen Rettungsfonds anzweifeln würden. Da serviert die Politik den Banken die (meiner Meinung nach falsche) Bilanzierung aber auf dem Silbertablett …

Update (01.06.11):

FT Alphaville hat das Originaldokument (warum hatte die FTD das nicht auch?). FT Alphaville findet insbesondere die ziemlich euphemistische Formulierung “precautionary steps” für die Abschreibungen bemerkenswert. Denn von “vorsorglich” kann ja eigentlich kaum die Rede sein, wenn die griechischen Staatsanleihen mit 100% in den Büchern stehen, während der aktuelle Kurs nur noch bei der Hälfte liegt. 

Das ist eine Abschreibung, die eigentlich viel zu spät, nicht zu früh erfolgt. Aber im Sinne der Bilanzierungsregeln stimmt die Formulierung halt. Und zeigt (OK, ich wiederhole mich) wie wenig die Bilanzen, vor allem der Banken, heute noch die Realität widerspiegeln …

FT Alphaville » German exposure to Greece — a Landesbank tale

Schuldenkrise: Erste Landesbank schreibt Griechenland ab | FTD.de

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Goldman Sachs bombt libysches Optionsdepot weg

Ganz ohne Bomben!

Man muss nur die Masters of the Universe sein Depot verwalten lassen und schnell werden aus 1,3 Milliarden Dollar 25,2 Millionen. Ein sattes Minus von 98%.

Eingegangen ist Goldman Sachs, genauer der Kunde Libyan Investment Authority, die Geschäfte 2008 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Da es Optionsgeschäfte waren, sank der Wert der Optionen noch schneller als die zugrundeliegenden Aktien (u.a. Citigroup, Allianz, ENI) und Währungen.

Die Libyer waren (verständlicherweise) ziemlich sauer. Daraufhin hat Goldman Sachs 6 Vorschläge ausgearbeitet, mit denen die Libyer die Verluste wieder aufholen sollten. Kern war mehrfach eine Beteiligung der Libyer an Goldman Sachs. Zu besonders günstigen Konditionen, im Endeffekt ein Deal, wie ihn auch Warren Buffett bekommen hat (und der für Buffett extrem profitabel war, so profitabel, dass GS den Deal gerne beenden würde, Buffett den Vorschlag aber ablehnt). OK, der Vorschlag unterschied sich schon von dem Buffett Deal, denn neben den offiziellen 6 Prozent Zinsen (Buffett bekam über 8% + Optionen) gab es noch 50 Mio. Dollar an ein Mitglied der Gaddafi-Familie …

Es gab noch eine Reihe anderer, hochspekulativer Vorschläge (u.a. mit CDS), die die Libyer allesamt ablehnten. Zu viel neues Geld sei nötig, zu schlecht der Arbeitsnachweis im ersten Geschäft, zu hoch das Risiko.

Naja, seit der Westen zur wahnsinnig überraschenden Erkenntnis gelangt ist, dass Gaddafi ein pöser Despot ist, ist der mickrige Rest, den Goldman Sachs übrig gelassen hat, eh konfisziert.

Das spannendste an der Geschichte sind meiner Meinung nach folgende Punkte:

  1. Wie unglaublich risikoreich manche Goldman Sachs Geschäfte sein können. 98% Verlust? Jede Vermögensverwaltung könnte danach dicht machen. Für immer. GS kann sich das scheinbar erlauben.
  2. Wenn man einen Verlust einfährt, schlägt man neue, noch spekulativere Geschäfte vor. GS agiert wie ein schlechter Trader: Nach Verlusten Geld nachschießen mit noch höherem Risiko.
  3. GS macht mit jedem Geschäfte. Diktator? Egal. Aber OK, die HSBC, Société Générale, JP Morgan, Och Ziff, etc. pp. haben auch alle Teile des libyschen Staatsfonds verwaltet. Und kann man den Banken hier wirklich einen Vorwurf machen, wenn westliche Politiker mit Gaddafi Bunga Bunga machen?

Libya’s Investment With Goldman Ends in Losses, Acrimony – WSJ.com

gefunden über Twitter / @Ralf Drescher: Und nochmal Goldman – groß …

Optionsschein-Mathematik für Fortgeschrittene (by Goldman Sachs)

Hihi, Schadenfreude on:

Goldman Sachs hat an der Börse Hongkong einen Haufen Optionsscheine emittiert, bei denen ein klitzekleiner Fehler in den Bedingungen steckte. Und zwar wurde der Indexstand (in diesem Fall der japanische Nikkei Index) nicht durch die Währung geteilt, sondern mit dem Währungskurs multipliziert.

Dadurch steigt der innere Wert des Optionsscheins natürlich massiv. Man rechne das mal mit einem Dow durch: 11.000 Punkte mal 1,40 Wechselkurs sind halt deutlich mehr als 11.000 durch 1,40 …

Nun gibt es diese Wechselkurse immer in beide Richtungen, z.B. schauen die Amerikaner auf den Euro aus Dollarsicht (Für 1 Dollar bekomme ich 71 Euro-Cent), die Europäer genau andersherum (für 1 Euro bekomme ich 1,40 Dollar). Deshalb ist es durchaus nachvollziehbar, wie ein solcher Fehler in die Optionsscheinbedingungen kommen kann. Es müssen halt die Formel UND der eingesetzte Wechselkurs zusammenpassen. Und von den 4 möglichen Kombinationen passen halt nur zwei …

Im Fall der Optionsscheine von Goldman Sachs in Hongkong sollen jetzt statt wie geplant 10 Millionen Dollar offenstehen, sondern bis zu 350 Millionen. Die Goldman Sachs auch nicht richtig abgesichert haben kann, weil die ja intern mit der ursprünglich gedachten Konstruktion agiert und diese abgesichert haben.

Als der Journalist vom Economist den Fehler bemerkte, hat Goldman Sachs schnell versucht, die Papiere mit einem Aufschlag von 10% zurückzukaufen. Das haben die Anleger aber nicht angenommen, da der Wert der Papiere auf Basis der verbrieften Bedingungen wesentlich höher ist.

Mal schauen, ob und wie sich Goldman Sachs aus der Nummer herauswinden kann …

FT Alphaville » Goldman Sachs makes an expensive typo

Übrigens lustig, wie lange ein solcher Fehler unbemerkt bleiben kann,  sowohl von den Anlegern, wie auch vom Emittenten. Kein Wunder, bei Bedingungen, die leicht Buchdicke erreichen können.

Eigentlich sollte man alles verbieten, was nicht auf zwei Seiten vollständig beschrieben werden kann.

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FAZ: „Korruption bei der #Fifa: Der Tsunami rollt“ #blatterout

Hoffentlich irrt die FAZ nicht. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass in diesem Gestrüpp von Korruption und Bestechung auch das schäfste Buschmesser nicht durchkommt …

Das ist ja das Fiese an Korruption und Bestechung: Wenn diese erstmal verbreitet genug ist, kommt man kaum noch daran vorbei. In Branchen, wo Bestechung üblich ist, bekommt man ohne Bestechung keine Aufträge. In Ländern, in denen man seine (gefakte) Steuererklärung mit etwas Geld doch noch abgestempelt bekommt, macht das irgendwann jeder. Und in Gremien wie der FIFA, in denen wahrscheinlich die Mehrheit der Mitglieder über Bestechung ihren Platz bekommen haben, rottet man die Korruption auch nicht so einfach aus.

Man kann  nur hoffen, dass jetzt endlich mal aufgeräumt wird und nicht nur Blatter oder zwei, drei andere dabei fliegen, sondern wesentlich mehr Leute. Und dass dann – in die gereinigte Luft – ein unbelasteter Kandidat wie Platini eine saubere Linie fährt …

FAZ: „Korruption bei der #Fifa: Der Tsunami rollt“ #blatterout

Vegas77 Fax-Spam jetzt in Polen

Schon heftig … Nachdem die Nummer vor ein paar Wochen (Anfang März bis Mitte April) in Deutschland die Runde machte (ich habe die Faxe auch bekommen), geht es jetzt in Polen weiter. Unaufgefordert flattern den Leute Faxe mit Kaufempfehlungen eines angeblichen Börsenbriefes mit dem Namen “Swiss Money Report” ins Haus.

Die verlinkten Domains wurden schnell stillgelegt, die Masche scheint sich in Deutschland totgelaufen zu haben.

Eine Information fehlt aber im FTD Artikel: In Deutschland wurde nicht nur per Fax gespammt, sondern auch (wenig überraschend) per Mail, das ist schließlich viel billiger. Und zwar (zumindest bei mir) nicht über wirkliche Spams, sondern über angemietete E-Mail-Verteiler (pseudo-)seriöser Börsenbriefe. Deren alleiniger Zwecke es zu sein scheint, genau dafür zu dienen: Um die E-Mail-Listen später – ohne Rücksicht auf Verluste – an andere zu verkaufen bzw. zu vermieten. Sch**** egal, ob der Anbieter seriös, halbseriös oder komplett betrügerisch handelt. 

Ein kleiner Disclaimer darunter (“Diese E-Mail ist eine Anzeige vom Deutschen Aktienbrief.  Die xy GmbH ist nicht für den Inhalt verantwortlich und schließt jegliche Regressansprüche aus.”) und fertig.

Ekelig.

(via Marktmanipulation: Fax-Spam überflutet Polen | FTD.de)

IEA: CO2-Ausstoß 2010: +5,2% –> Energieeffizienz sinkt

Der weltweite Ausstoß von CO2 wuchs 2010 nach Schätzungen der internationalen Energieagentur (IEA) um 1,6 Gigatonnen auf 30,6 Gigatonnen, also um 5,2%.

Von einer Begrenzung des CO2-Ausstoßes, die eigentlich geplant war, um den Anstieg der Weltdurchschnittstemperatur auf maximal 2 Grad zu begrenzen, ist damit wenig zu sehen. Eigentlich kann man sich das Ziel schon langsam abschminken …

Internationale Energieagentur: Treibhausgas-Ausstoß erreicht neue Rekordhöhe – Atomdebatte – FAZ.NET

Was mich aber noch skeptischer macht: Wir stoßen 5,2% mehr CO2 aus, haben 2010 aber nur 3,9% Wirtschaftswachstum “geschafft”.

Pro Einheit BIP-Wachstum stieg also der Energieverbrauch und das trotz Biosprit, Pellets, Windenergie, Fotovoltaik, etc. pp.

Wirtschaft: Weltbank sagt Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums voraus – Weitere Meldungen – FOCUS Online

Wie kann das? Führt die fortschreitende Deindustrialisierung des Westens dazu, dass immer mehr Produktion nach China (etc.) verlegt wird und wir damit relativ energieeffiziente Produktion im Westen durch ziemlich Energie verschwendende Produktion in Asien ersetzen?

Ex-„Handelsblatt Online“-Chefredakteur räumt Plagiate ein „Wie Guttenberg“

Unfassbar.

Obwohl geklaute (sprich nicht als Zitat gekennzeichnete) Wikipedia-Schnipsel ja auch schon häufiger vorgekommen sind. Und auch aus Blogs wird sich gerne mal bedient, meist ohne irgendeine Nennung, manchma nur mit der Nennung “Blogger” und ganz selten mit der Nennung (und Verlinkung) der Quelle.

Und diese Unsauberkeiten findet man  nicht nur im durch Zeitdruck geprägten Onlinebereich, sondern auch im Print.

Sooo selten ist plumpes Abschreiben wohl doch nicht. Aber dass ein renommiertes Blatt bei einem anderen renommierten Blatt abschreibt, ist dann doch relativ selten. Aber nur, weil es mit höherer Wahrscheinlichkeit auffliegt … 

Ex-“Handelsblatt Online”-Chefredakteur räumt Plagiate ein – “Wie Guttenberg” – Medien – sueddeutsche.de