Monatsarchiv: Januar 2012

Nochmal zum Baltic Dry – Don’t panic II

Die Schiffscharterraten hängen naturgemäß von zwei Seiten ab: a) Von der Nachfrage b) vom Angebot. Wie es in Märkten halt so üblich ist …

Über die Nachfrageseite wird oft nachgedacht, darauf beruht ja auch die Prognosekraft des Baltic Dry für die Weltkonjunktur. Aber die Angebotsseite ist genau so wichtig, wenn auch deutlich schwieriger einzuschätzen. 

@TeraEuro hat gestern einen interessanten Artikel getweetet, in dem behauptet wird, dass in diesem Jahr Schiffe mit einem Gesamtvolumen von

22,7%

der aktuellen Kapazität *aller* Schiffe, die aktuell auf den Weltmeeren rumtuckern, neu auf den Markt kommen sollen. Das Angebot an Schiffen soll also in nur einem Jahr um fast 23% steigen.

Das ist natürlich VIEL mehr als die Nachfrage steigt. Selbst bei einem normalstarken Wachstum in China steigt die Nachfrage nicht so schnell. Ein massives Überangebot ist die Folge. Kein Wunder, dass die Preise crashen.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was das für die Redereien bedeutet. Für die Kreditgeber (die HSH Nordbank ist *dick* in diesem Geschäft drin und hat Milliarden Kredite vergeben). Und für die Schiffsfonds, die sich Besserverdienende gerne als Steuersparmöglichkeit (der große Teil der Einnahmen muss nicht versteuert werden, Stichwort Tonnagesteuer) angeschafft haben.

Angesichts der oben genannten Rahmenbedingungen erwarte ich dort viele weitere schlechte Nachrichten. Und es ja nicht so, als hätte es bisher noch keine Pleiten gegeben. Aber das war wohl erst der Anfang … 

OK, das “Don’t Panik” aus der Überschrift gilt nur für die Konjunktur. Als Schiffsfondseigner könnte ich nicht mehr ruhig schlafen … (siehe dazu auch: Portfolio: Schiffsfonds will eigene Tanker zurückkaufen | FTD.de)

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Baltic Dry fällt weiter – aber keine Panik. Der Fall des Baltic Dry Index war hier schon ein paar Mal Thema. Kein Wunder, gilt er doch als guter Indikator für die weltweite Konjunkturentwicklung. Allerdings misst der Baltic Dry nur Teile … Weiterlesen

Deutsche Bank erwartet Rezession in Deutschland

genauer: im ersten Halbjahr 2012, für das Gesamtjahr wird ein Nullwachstum gesehen.

Endlich mal jemand, der meine negative Erwartung für Deutschland (die Rezession in der Eurozone ist IMHO sicher) teilt 😉

Der größte negative Einflussfaktor kommt laut DB Research (Thomas Mayer, den ich auf der #oend ziemlich überzeugend fand) aus der Handelsbilanz. Es wird ein Rückgang der Exporte um 1,75% und ein Anstieg der Importe um 3% erwartet. Allein dieser Faktor wird das BIP nach Berechnung der DB Research um 0,5 Prozentpunkte senken.

Der private Verbrauch wird die Konjunktur weiter stützen, allerdings nicht im selben Ausmaß wie 2011.

Meine Rezessionswette bleibt haarig … Selbst wenn die vergleichsweise negative Prognose der DB Research aufgeht, wird es knapp, weil die deutsche Wirtschaft bereits im dritten Quartal wieder wachsen soll. Wenn ich Pech habe, bügelt sie dann die Delle aus dem ersten Halbjahr schon wieder vollständig aus.

Naja, schaun mer mal. Immerhin beruhigt mich das Gefühl, dass sich die Prognosen meiner Wette annähern … Dann lag ich zumindest nicht ganz neben der Spur …

EU17 Arbeitslosenquote 12/11: 10,4%

Höchster Wert seit Einführung des Euros.

Und in Deutschland verzeichnet man gleichzeitig ein 20-Jahrestief.

Besser man gar nicht zeigen, wie zerrissen die Eurozone in wirtschaftlicher Hinsicht ist.

Bild

Portugal ist auch durch. 17% Zinsen auf die 10jährigen Anleihen …

Heute geht’s zwar leicht nach unten (60 Basispunkte), der Handel ist aber extrem volatil. Die Eröffnung lag heute morgen bei 18,23% (!).

Das sind klare Griechenlandlevels. Man geht inzwischen also auch von einem Schuldenschnitt in Portugal aus.

Kenneth Rogoff hat das in Davos ja auch schon geäußert. Die Schuldenrestrukturierung in Portugal sei sicher (“certain”), im Fall von Irland und Spanien wahrscheinlich (“Likely”).

Portugal Debt Restructuring Certain; Ireland, Spain Likely: Economist Kenneth Rogoff at Davos – Davos Live – WSJ

Dass die beiden Länder mit den negativisten NIIP (Net international investment position) am kritischsten sind, überrascht mich nur wenig. Auch wenn wir nun (erneut) einen Fiskalpakt bekommen (wo ist eigentlich verdammt nochmal mein Text zu dem Thema hin, Dreckstumblr?) , der ausnahmslos auf die Staatsschulden schaut, ist die NIIP viel interessanter. Denn dort werden erstens alle Sektoren (Staat, Banken, Unternehmer und Bürger) betrachtet und vor allem die Auslandsvermögen mit den Schulden verrechnet. Und in dieser Betrachtung sieht Italien halt viel besser aus als Portugal (und Portugal mit einer negativen NIIP von ungefähr 100% des BIPs fast so schlecht wie Griechenland). Nur auf die Staatsverschuldung zu schauen, greift zu kurz (vor allem, wenn man nicht einmal schaut, ob die Schulden im In- oder Ausland liegen).

(via PORTUGUESE GOVERNMENT BONDS 10YR NOTE PORTUGAL PL (GSPT10YR:IND) Index Performance – Bloomberg)

D: Arbeitslosenquote 01/12: 7,3% (+0,7 Vm, -0,6 Vj))

Der Anstieg war geringer als es im Januar üblich war, die saisonbereinigte Arbeitslosenquote ist also gesunken (die BA veröffentlicht diese saisonbereinigte Quote allerdings nicht).

Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote soll (tickerte gerade irgendwo) bei 6,7% liegen, was ein 20-Jahrestief sein soll.

Es gab im Januar mit 3.082.000 Arbeitslosen 302.000 mehr als im Vormonat, allerdings 264.000 weniger als im Vorjahresmonat.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt hoch, der Indikator mit dem die BA das misst, ist im Januar zwei Punkte auf 181 gestiegen und liegt 23 Punkte höher als im Januar 2011.

Der Arbeitsmarkt im Januar 2012: Weiterhin positive Entwicklung – www.arbeitsagentur.de

Interessant: Die Messung der Arbeitslosenquote nach den Standards der ILO, die internationale Vergleichbarkeit herstellen soll, lag für den Dezember bei 5,5%. Das ist die Zahl, die man beim Vergleich zum Beispiel mit den USA im Kopf behalten sollte …

Update (10:24):

Hier der Ticker nachgereicht:

Europa wird von Banken, nicht von Völkern regiert

Nicht nur inhaltlich (Sparprogramme allerorten, damit die Banken wieder Vertrauen fassen und die Staatsanleihen abkaufen), sondern auch in personeller Hinsicht (Papademos und Monti waren beide bei Goldman Sachs …).

Darf man sich da noch wundern, dass die Bevölkerung sich nicht mehr für Politik interessiert? Wenn die Regierungen, die die Reformen durchsetzen, nicht mehr gewählt, sondern “eingesetzt” wurden? Und erst wieder gewählt werden darf, wenn die Reformen beschlossen und umgesetzt wurden?

Irgendwie erinnert mich der letzte Aspekt an einen alten Spruch: “Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie schon lange verboten worden”. Leider befinden wir uns in einer Zeit, in denen solch sarkastische Bonmots viel näher an der Wirklichkeit sind, als mir lieb ist …

Und noch ein Satz aus dem Artikel: “Die demokratische Lücke war immer schon die größte Gefahr der EU”. Und noch nie zuvor wurden das offensichtlicher als heute …

Lesen —-> Postdemokratie: Europa schafft sich ab – Feuilleton – FAZ (selbst wer gar keine Zeit hat, sollte sich wenigstens den letzten Absatz gönnen).

Danke an @alex13wetter für den Hinweis.