Monatsarchiv: Februar 2013

Unstatistik des Monats: Ausmaß der Armutseinwanderung kleiner als berichtet

Jaja, Bulgaren und Rumänen stürmen Deutschland.

Immer mehr. Schwemme. Boot ist voll, Schotten dicht.

OK, den letzten Teil haben sich viele noch nicht getraut auszusprechen, zu denken aber schon (wette ich). 

Aber es beginnt schon vorher, denn die Anzahl der Einwanderer sagt rein gar nichts. Im Gegenteil: Sie sagt eher das Gegenteil. Denn die seit dem Fall der Einwanderungsgrenzen (sprich seit Beginn der EU-Mitgliedschaft) sind 68% der Einwanderer (hoch)qualifiziert und passen damit so gar nicht in das Bild der Armutsmigranten, das in den Medien gezeichnet wird.

Es kann natürlich sein, dass der Anteil der Armutsmigranten in letzter Zeit wirklich gestiegen ist (wäre angesichts der Rezession in Europa durchaus plausibel, ist aktuell aber völlig unklar), aber mit der Gesamtzahl zu argumentieren ist falsch bis fahrlässig & gefährlich.

RWI: Unstatistik des Monats: Ausmaß der Armutseinwanderung kleiner als berichtet (PDF)

Schöner Fund von Olaf Storbeck

Zitat

Wie eng verbunden sind deutsche Spitzenjournalisten mit anderen Eliten unserer Gesellschaft?

Gute Frage! Antwort ist “ziemlich eng”.

Schon etwas älterer Artikel bei telepolis, aber wer den noch nicht gelesen hat, kann das gerne noch nachholen.

Inwieweit auch den Wirtschaftsjournalismus betrifft, ist schwierig zu sagen. Die üblichen Verdächtigen (z.B. INSM) tauchen in der Netzgrafik nicht auf. Aber ich schätze, die Mechanismen sind ähnlich. Wirtschaft und Wissenschaft und Medien gehen hier auch Hand in Hand. Über Studien, über Konferenzen, über Interviews.

Journalismusforschung:”Ganz auf Linie mit den Eliten” | Telepolis

USA: BIP Q04-12: +0,1% (Vorabschätzung -0,1%)

Es war zwar eine Korrektur nach oben (von der Vorabschätzung aus gesehen), die Zahl war aber trotzdem unterhalb der Erwartungen, die teilweise bis zu einem Plus von 0,5% reichten. Das Plus für das Gesamtjahr blieb wie schon geschätzt bei 2,2%.

Die Korrekturen sind im Detail ganz interessant, wenn auch nicht so extrem unterschiedlich, wie wir es zuvor häufiger gesehen haben. Der Privatsektor blieb klar im Plus (+1,47 Prozentpunkte des Wachstums gingen darauf zurück, Vorabschätzung war +1,52), das Wachstum durch Investitionen stieg von 1,19 Pp auf 1,36, am Beitrag des Staats (-1,36 Pp) änderte sich nahezu nichts. Die Lagerbestandsänderungen drückten mit minus 1,55 Pp noch stärker auf’s Wachstum (vorher -1,27). 

Dass die Zahl insgesamt besser ausfiel, ging vor allem auf eine Abwärtskorrektur der Importe und eine Aufwärtskorrektur der Exporte zurück. Diese sorgte für einen Wachstumsbeitrag durch die verbesserte Handelsbilanz von 0,24 Prozentpunkte. In der Vorabschätzung entstand hieraus noch ein Minus von 0,25 Prozent.

Am Ende also keine größeren Änderungen, bis auf die Im- und Exporte. Daher ändert sich an der Interpretation ist nichts Wesentliches. Schlechte Zahl in der Überschrift, die aber durch den extrem drückenden Einfluss des Lagerbestandabbaus wohl nur vorrübergehend bleiben wird.

http://www.bea.gov/newsreleases/national/gdp/2013/pdf/gdp4q12_2nd.pdf

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: USA: BIP Q04-12: -0,1%

EU begrenzt Banker-Boni auf Höhe des Festgehalts

Unter “besonderen Umständen” kann auch maximal das Doppelte des Grundgehalts als zusätzlicher Bonus gezahlt werden.

Damit wird die absolute Höhe der teilweise exzessiven Gehälter nicht begrenzt, sondern nur der variable Anteil. 500.000 + 500.000 sind also weiterhin genauso möglich wie 5 Mio. + 5 Mio.

Die Logik dahinter ist einfach: Wer einen vergleichsweise geringen variablen Gehaltsanteil bekommt, selbst wenn er besonders erfolgreich und risikoreich spekuliert, ist eben nicht mehr versucht, besonders risikoreich zu spekulieren.

Auf dem Papier liest sich erst einmal ganz gut.

Nur: Wenn bei Nichterreichung der Ziele die Kündigung droht (Hire und Fire ist bei Investmentbankern nicht soooo unüblich), ist der Anreiz das hohe Ziel über hohes Risiko doch zu erreichen, nahezu genauso hoch wie vor Einführung dieser Regel. Weil man sonst fliegt und auch kein Fixgehalt mehr bekommt.

Auch über die Auslagerung der Angestellten in die Selbstständigkeit könnten die Regeln für einen ganzen Teil der Betroffenen umgangen werden.

Kurz: Dieses Gesetz wird viel weniger bewirken als es die Politiker heute versprechen.

Die Probleme für die Volkswirtschaft, die die Banken auslösen können, löst man nicht durch kosmetische Maßnahmen innerhalb der Vergütungsstruktur der Banken. Da muss die Bank, das Bankensystem als Ganzes, neu reguliert wird. Und zwar richtig, aber dazu fehlt der Mut ..

Kompromiss in Brüssel: EU begrenzt erstmals Banker-Boni – Wirtschaftspolitik – FAZ

Update (15:44)

Siehe dazu auch die Schweizer Lösung:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Schweiz macht Volksabstimmung über Managermillionen

Man könnte übrigens auch mal nachschauen, wen das überhaupt betrifft. Ich konnte bei der DeuBa 2011 und 2012 kein Vorstandsmitglied finden, das mehr Boni als Festgehalt bekommen hat. Ackermann nicht und Jain /Fitschen auch nicht.

Gab es den Fall überhaupt schon einmal in Deutschland? (London zählt nicht, die machen ja eh (wahrscheinlich) nicht mit.

Video

WENAG #78 Die OREO-Keks-Trenn-Maschine.

Kompletter Unfug, weil die Creme einfach weggefräst wird. Wer erfindet denn so einen Quatsch …

OREO Separator Machine #1 – Creator: Physicist David Neevel (von Oreo)

Niederlande (halb)mutig: Bankgläubiger der SNS schauen in die Röhre.

Aber nur die nachrangigen Gläubiger …

Wer Sparbücher oder erstrangige Anleihen hatte, bekommt von der Pleitebank das komplette Geld zurück (natürlich nicht von der Bank, sondern vom Staat).

In Spanien hatte man ein ähnliches Vorgehen bei der Bankia auch schon geplant. Da gingen die Sparer, die die Anleihen hielten, aber auf die Straße und bekamen dann doch ihr Geld zurück. Die Bank habe die Anleger über die Nachrangigkeit getäuscht. Was natürlich auch nicht schwierig ist, weil 90% der Anleger den Unterschied zwischen Vor- und Nachrangigkeit nicht kennen dürften.

In Irland wurden vor ein paar Jahren übrigens alle Bankgläubiger ausgezahlt, weil die EZB (und Merkel) das wollte. Man könne die Ansteckung anderer Banken nicht riskieren. Erst müsse man eine Insolvenzordnung für Banken schaffen.

Toll, dass man aus diesem Grund Bankgläubiger auch 2013 noch (nahezu) vollständig retten kann. Was haben die Politiker in den letzten 5 Jahren eigentlich getrieben?

Niederlande : Europa enteignet erstmals die Gläubiger einer Bank – Nachrichten Geld – DIE WELT

Die SNS ist übrigens nicht wirklich klein. Die Bilanzsumme liegt immerhin bei 134 Mrd. Euro, das ist knapp ein Viertel des BIPs der Niederlande. Die Verstaatlichung wird den Staat geschätzte 3,7 Mrd. Euro kosten, wenn sich denn die Sicherheiten zu Geld machen lassen. Was gar nicht so sicher ist, die Preise am holländischen Immobilienmarkt sind ja schon länger im Sinkflug und nun ja, die Geschwindigkeit des Preisrückgangs nimmt nicht ab …

Wohin ist das ganze Geld für die Eurorettung geflossen?

Das könnt ihr euch in einer 52-minütigen Dokumentation auf Arte anschauen:

Staatsgeheimnis Bankenrettung – videos.arte.tv

Oder im Februar 2012 hier

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Mehr als die Hälfte des 2. Rettungspakets geht an die Banken

oder im August 2012 schon hier lesen …

Nur 15 Mrd. der 410 Mrd. Griechenlandhilfen gingen an Griechenland – egghat’s not so micro blog

Man kann sich das trotzdem anschauen, wenn man das nicht immer alles im Detail verfolgt hat.

(Btw: An wen erinnert Euch die Stimme von Schumann?)