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Griechenland sinkt tiefer in die Deflation

Im Juli sanken die Verbraucherpreise gegenüber dem Juni um 1,7%, gegenüber dem Vorjahr um 0,7%.

Dass die Jahresrate (noch) stabiler ist als die Monatsra, liegt vor allem an einigen Steuererhöhungen, die bestimmte Produkte teurer gemacht haben. Z.B. wurden einige Steuerausnahmen abgeschafft (verringerte Mehrwertsteuer auf Speisen z.B.), außerdem wurde auf Immobilien (und damit mittelbar auf die Miete) neue Steuern gelegt. Daher stecken im Jahresvergleich in der Komponente “Housing” noch 6,7% Preissteigerung drin (obwohl die Immobilienpreise in Griechenland fallen), und auch bei Alkohol und Tabak ist ebenfalls eine deutlich Preissteigerung festzustellen. Beide Effekte zusammen sorgen im Jahresvergleich für knapp 1,0% Plus. Fallen beide Effekte weg, wird die Jahresrate deutlich weiter fallen, womöglich auf -1,5% oder mehr.

Das ist für ein Land, das unter Schulden stöhnt, extrem doof. Denn sinkende Preise bedeuten sinkende Gewinne, sinkende Löhne und am Ende sinkende Steuereinnahmen. Außerdem erhöht sich der Schuldenstand bezogen auf das BIP, weil das (Brutto-)BIP aufgrund der sinkenden Preise auch sinkt.

http://www.statistics.gr/portal/page/portal/ESYE/BUCKET/A0515/PressReleases/A0515_DKT87_DT_MM_07_2013_01_F_EN.pdf?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

Siehe auch meine älteren Postings zum Thema:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: So. Jetzt steckt Griechenland in der Deflation. Sh!t.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland mit einem Bein in der Deflation

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Italien: BIP Q02-13: -0,2% Vq, -2,0% Vj.

8. Quartal in Folge mit BIP-Rückgang. Allerdings fiel er etwas kleiner aus als erwartet.

Details gibt es noch keine, es ist erst die Vorabschätzung.

Preliminary estimate of GDP

ESP: BIP Q02-13: -0,1% (Vq), -1,7% (Vj)

8. Quartal in Folge mit einem Rückgang des BIPs.

Allerdings: Der Rückgang um 0,1% war der niedrigste seit 7 Quartalen und deutlich schwächer als die beiden Vorquartale (-0,8% bzw. -0,5%).

Ein Hoffnungsschimmer?

Schwer zu sagen. Die Jahresrate ist aufgrund der beiden sehr schwachen Vorquartale immer noch mit 1,7% im Minus (nach -1,9 und -2,0% in den beiden Vorquartalen). Das ist immer noch kräftig und da solche Abwärtstendenzen die unschöne Eigenschaft haben, sich selber zu verstärken, kann man ein relativ okayes Quartal nicht überbewerten.

Außerdem fehlen für eine genauere Analyse die Detaildaten, die in der Vorabschätzung (wie üblich) noch fehlen. Erstmal abwarten, was die nächste , dann genauere Schätzung so bringt.

INE.es: Flash Estimate of the Quarterly National Accounts – Base 2008 Second quarter of 2013 (PDF)

Update (31.07.13):

Die FAZ zur wirtschaftlichen Lage in Spanien:

Schuldenkrise: Hoffnung für Spanien – Spanien – FAZ

zusätzlich noch den Artikel, den m106 in den Kommentaren empfohlen hat, lesen

Eurozone EMI 07/13: 50,4 (+1,7 Vm, +3,9 Vj)

Silberstreif am Horizont? Denn eigentlich sollte ein Indexstand oberhalb von 50 einen Wirtschaftsaufschwung signalisieren. Wenn sich die Einkaufsmanager nicht irren.

Auf jeden Fall ist das Plus seit dem Tief bei 45,7 Punkten vor 9 Monaten inzwischen deutlich. Die Teilkomponenten zeigen 18 bis 25-Monatshochs an. So weit so positiv.

Allerdings: Zum letzten Mal über 50 notierte der Gesamtindex im Januar 2012. Und das BIP im ersten Quartal 2012 kam am Ende gerade mal mit einem Nullwachstum. Klar, besser als ein Rückgang, aber allzu viel sollte man nicht erwarten …

http://www.markiteconomics.com/Survey/PressRelease.mvc/05a79080e52542978bcb68895bea6ecb

Bild

weitwinkelsubjektiv:

Neue Industrieaufträge aus DE und EWU brechen den zweiten Monat in Folge kräftig ein – in DE

Link

ekathimerini.com | Tourism arrivals to exceed 17 million

Spannend. Ich habe bei meinen Betrachtungen über die Wirtschaft Griechenlands immer darauf hingewiesen, dass für eine Wende ein Aufschwung im Tourismussektor unabdingbar ist. Leider waren die ersten Monate von 2013 relativ enttäuschend. Zum Glück sind diese aber unwichtig, die Musik in Griechenland spielt im Sommer, also von Juni bis August.

Nun gibt es die ersten vorläufigen Zahlen und zwar die Anzahl der Gäste, die an den klassischen Touristenflughäfen gelandet sind. Und diese liegt 14% über dem Vorjahr. Auch die Hotels sollen gut ausgebucht sein.

So weit, so positiv. Die bange Frage ist jetzt, ob der positive Trend auch im Juli und August anhält. Und auch, ob die Touristen viel Geld im Land lassen. Bisher wurden wachsende Übernachtungszahlen nämlich mit stark sinkenden Preisen erkauft. Allerdings: bei 15% mehr Gästen wird auf jeden Fall mehr Geld in den griechischen Kassen landen.

ekathimerini.com | Tourism arrivals to exceed 17 million

GR: Lohnsumme Q01-13: -10,1% (Vj)

Die Lohnsumme ist die Summe aller Beschäftigten im entsprechenden Zeitraum. 

Das Minus von 10,1% bedeutet als nicht, dass die Löhne um 10 Prozent gesunken sind, sondern geht zum größten Teil darauf zurück, dass die Anzahl der Beschäftigten so stark gesunken ist. In Griechenland waren im ersten Quartal 2013 3,596 Millionen Menschen in Lohn und Brot, gegenüber 3,838 Mio. im Vorjahresquartal. Das ist ein Rückgang von 6,3% und erklärt den größten Teil des Rückgangs der Lohnsumme (siehe LABOUR FORCE SURVEY – 1st Quarter 2013 (PDF)). 

Der Rest der Rückgangs geht dann auf das Sinken der Löhne zurück. (Unter Umständen geht ein Teil des Unterschieds auf abweichende Erfassungsmethoden der beiden Statistiken zurück. Die Statistik zur Lohnsumme, die es zum ersten Mal aus Griechenland gab, erfasst anscheinend den primären Sektor nicht, also Staat, Schule, Gesundheit).

Vergleich zum Vorquartal verbieten sich übrigens, weil es im Schlussquartal (auch in Griechenland) Weihnachtsgeld gibt.

In den Medien wird oft ein Vergleich zum absoluten Höhepunkt des Index gemacht. Dieser lag für das erste Quartal im Jahr 2010. Der Index stand damals bei 104,5 Punkten, der Rückgang der Lohnsumme in Griechenland vom absoluten Hoch aus gesehen läge also bei mehr als 22%.

Allerdings scheint mir der Wert für das erste Quartal 2010 irgendwie ein Ausreisser  zu sein. Denn die 104,5 sind *deutlich* über dem Wert des Vorjahres (2009: 91,3) und passt auch zu den Vorjahreswerten. Es war ja schon Krise und dass die Lohnsumme um fast 15% nach oben springt, ist irgendwie unlogisch.

Und jetzt hätte euer Zahlenwühler auch schon eine mögliche Erklärung: Ostern. Denn in Griechenland gibt (bzw. teilweise gab) es Ostergeld (höchstes kirchliches Fest in der orthodoxen Kirche). Und Ostern könnte in diesem Jahr ins erste Quartal gefallen sein. Allerdings müsste dann auch in anderen Jahren ein Ausreisser sichtbar sein. Ist er aber nicht. Und: 2009 war Ostern am 9. April. 

OK, dann habe ich keine Erklärung für den Ausreisser, vielleicht könnt ihr ja eine liefern …

Wichtig ist nur, dass das Rechnen vom Hoch aus eigentlich nicht zulässig sein kann, weil mit dem ersten Quartal 2010 irgendwas nicht zu stimmen scheint.

Der Rückgang der Lohnsumme ist am Ende aber auch keine so wahnsinnige Überraschung, denn dass mit einer stark sinkenden Beschäftigtenzahl auch die Lohnsumme sinkt, ist logisch …

INDEX OF WAGES IN MAIN SECTORS OF THE ECONOMY: 2006 – 1 ST quarter 2013 (PDF)