Schirrmacher zu #Prism & Big Data: Eine Beendigung der Debatte wäre verantwortungslos

Ein paar Zitate:

Das neue Zeitalter von Big Data erschafft die größte Überwachungsmaschine, die es jemals gab

Es ist eine Zivilisation, in der Realitäten entstehen, für deren Voraussage man vor zehn Jahren zum Therapeuten geschickt worden wäre.

Lesenswert!

Im Zeitalter von Big Data: Wir wollen nicht – Überwachung – FAZ

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Facebook jetzt wieder mehr als 100 Mrd. $ wert

Allen Unkenrufen zum Trotz hat die Facebook Aktie gestern den höchsten Schlusskurs aller Zeiten erreicht. Nur in den ersten Stunden nach dem Börsengang war der Kurs mit bis zu 47$ noch etwas höher.

Etwas spannender noch, dass mit dem Kursanstieg gestern der Börsenwert von Facebook wieder über 100 Milliarden Dollar gestiegen hat. Die Nasdaq meldet beim gestrigen Schlusskurs eine Marktkapitalisierung von 100,676 Mrd. Dollar.

Ob die Bewertung zu hoch ist, bleibt natürlich unklar. Auf Basis der Gewinne der letzten 12 Monate hat Facebook ein geradezu irres Kurs-Gewinn-Verhältnis von 180. Und auch auf der Basis der Gewinnprognosen für die nächsten 12 Monat liegt das KGV noch bei gut 80. Google zum Vergleich liegt bei nur 25. Hmm.

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Wider die Denkverbote zum Euroausstieg. Eine Alternative für Deutschland | Finanz und Wirtschaft

Ja, Denkverbote mag ich auch nicht.

Aber die Forderung, man solle einfach Forschungsinstitute berechnen lassen, was der Euroaustritt Deutschland bringen würde und was er kostet, ist selten dämlich (Sorry). Was soll dabei herauskommen, außer dass der eine sagt “Bringt 400 Mrd, weil der Euro-Wechselkurs deutlich niedriger ist als es ein D-Mark-Kurs wäre” und der andere sagt “Kostet 400 Mrd., weil Deutschland die ganzen Rettungskredite allein bezahlen muss”?

Das lässt sich doch niemals auf eine Zahl oder auch nur eine Spanne herunterbrechen. Da ist so viel Psychologie von 300 Millionen Menschen und so viel Politik im Spiel, dass man das unmöglich vorhersagen kann. Allein eine Prognose darüber, ob mit einem Ausstieg Deutschlands der Rest des alten DM-Blocks (BeNeLux, Österreich evtl. auch Frankreich) auch im Euro bleibt, ist defakto unmöglich.

Man muss schon sehr in dem alten ökonomisch-mathemathisch “wir können alles berechnen” Denken gefangen sein, um eine solche Forderung aufzustellen. Wir berechnen das einfach mal. Kopfschüttel …

Wider die Denkverbote zum Euroausstieg. Eine Alternative für Deutschland | Finanz und Wirtschaft

Schöner Artikel über Korrelation und wie wenig daraus zu lernen ist.

Wenn man die Ursache und die Wirkung nicht eindeutig bestimmen kann.

Das ist vor allem der Fall, wenn man den Versuchsaufbau nicht im Labor nachbauen kann. In der Realwelt gibt es halt immer viele Einflussfaktoren und man kann diese nie sauber auseinanderklamüsern.

Das betrifft im Prinzip alle Untersuchungen, die es zum Thema Ernährung und Gesundheit gibt. Es gibt viel zu viele Einflussparameter um auch nur ansatzweise wissenschaftlich haltbare Aussagen wie “Süßstoffe sind gut/schlecht”, “Butter ist besser als Margarine”, “Acai-Beeren machen fit” treffen zu können. Ich weiss, es gibt ganze Magazine, die ihre Seiten mit nichts anderem (und einem Haufen Product-Placement) füllen. Vergesst Sie, werft sie weg. Das ist alles Müll.

Die NZZ nimmt die auffällige Korrelation von Süßstoffkonsum und Fettleibigkeit unter die Lupe. Beides nahm in den letzten Jahrzehnten deutlich zu. Nur ist der Zusammenhang unklar. Sorgen Süßstoffe direkt dafür, dass man mehr Hunger bekommt (Stoffwechsel durch vermeintlichen Zucker “verwirrt”)? Oder ist es eher so, dass man sich durch Süßstoffe an “zu süße” Nahrung gewöhnt und dann auch bei Nicht-Light-Produkten zu zuviel Zucker greift? Oder ist es einfach nur Zufall? Ich könnte auch die Anzahl von Fernsehern oder PCs mit dem Anteil der zu fetten Menschen korrelieren lassen.

Es gibt jetzt ein paar Untersuchungen, die versuchen, die Ernährung von Menschen monokausal zu untersuchen. Also wirklich Testgruppen zu bilden, in denen nahezu alle Eigenschaften gleich verteilt sind (Dicke – Dünne. Sportliche -Couch potatoes. Fast Food – Selberkocher), nur dass einmal Süßstoff verwendet wird und einmal nicht. Dadurch kann man eventuell an den wirklichen Zusammenhang kommen. Wenn denn die Anzahl der Teilnehmer groß genug ist (wird teuer!), die Teilnehmer die Wahrheit sagen, und die Untersuchung statistisch sauber aufbereitet wird (und nicht von einem Süßstoffkonzern gesponsort wird 😉 )

Und selbst dann kann es sein, dass die Aussage über die Gesamtheit nichts nützt, denn der Stoffwechsel von Mensch A muss noch lange nicht genauso funktionieren wie der Stoffwechsel von Mensch B. Und der Süßstoff A sich nicht genauso verhalten wie Süßstoff B.

Und damit ist man genauso weit wie vorher.

Es bleibt beim alten Ernährungshinweis:

„Eat Food, not too much, mostly plants“.

(wobei “food” alles ist, was auch deine Oma als “Lebensmittel” in ihrer Jugend als Lebensmittel erkannt hätte, also z.B. keine Tiefkühlpizza oder Fertigsaucen).

Und dann noch etwas mehr bewegen und das reicht schon.

Nicht nur Zucker, sondern auch kalorienfreie Süssstoffe sollen Übergewicht und Stoffwechselstörungen begünstigen. Diese These steht seit einem Vierteljahrhundert im Raum, liess sich aber bis heute weder eindeutig verwerfen noch bestätigen.

P.S. Damit ihr wenigstens etwas Konkretes gelernt habt: Bier hat in etwa so viele Kalorien wie Apfelsaft. Wegen der Kalorien Saft statt Bier zu trinken, macht also keinen Sinn. In diesem Sinne: Prost.

Video

Richard Thaler in der BBC über Behavioural Economy.

Thaler lag ja schon ein paar ziemlich weit vorne bei den Wetten auf den Gewinner des nächsten Wirtschaftsnobelpreis.

Das kann man sich an einem verregneten Wochenende mal ruhig anschauen.

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Europas Schuldenkrise: Niedrige Zinsen entlasten Deutschland um 41 Mrd. Euro – FAZ

Das werte ich jetzt mal als halbwegs offizielle Zahl.

40,9 Mrd. Euro Ersparnis von 2010 bis 2014 laut Finanzministerium. Auslöser sind die niedrigen Zinsen, die Deutschland bezahlen muss, weil es als letzter sicherer Hafen in der Eurokrise gilt.

Das sollten die Untergangspropheten “Wie viel uns die Eurokrise noch kosten wird” mal gegenrechnen. Denn das sind reale, schon eingefahrene Ersparnisse und keine “wenn die Welt zusammenbricht, müssen wir noch x Hundert Milliarden bezahlen”-Hypothesen …

Klar, der nächste Schuldenschnitt in Griechenland (der kommen wird), wird einen großen Teil der Ersparnis wieder vernichten. Aber es ist halt auch nicht so, dass die Eurokrise bisher so wahnsinnig viel gekostet hätte. Die Bankenkrise vorher war teurer. Und die haben wir auch gerettet. Obwohl man viel lieber Geld für eine gute Idee wie Europa ausgeben sollte als für eine schlechte wie Spekulationsmonsterbanken. Finde ich zumindest.

Europas Schuldenkrise: Niedrige Zinsen entlasten Deutschland um 41 Mrd. Euro – FAZ

3. Teil der Ökonomen-Serie in der FAZ: Joan Robinson

Schönes Zitat:

„Ökonomie sollte man nicht mit dem Ziel studieren, eine Reihe von fertigen Antworten auf ökonomische Fragen zu erlangen, sondern um zu lernen, wie man es vermeidet, von Ökonomen getäuscht zu werden.“

Ich bin aber nicht sicher, ob

„Weil ich nie Mathematik gelernt habe, musste ich denken“

nicht noch schöner ist.

Wie schon die ersten beiden Teile lesenswert …