Biosprit verdrängt Lebensmittel und sorgt für Hunger

Als kleines Update zu meinem Artikel aus der letzten Woche (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Biosprit: Zur Hälfte (potenziell) auf Kosten des Regenwalds):

Eine Studie an der Universität Princeton hat untersucht, wie viel des aktuellen Biosprits auf Flächen angebaut wird, auf denen früher Lebensmittel angebaut wurden. Es ist ungefähr die Hälfte, je nach Pflanzenart mal etwas mehr, mal etwas weniger.

Dadurch sinkt am Ende die verfügbare Menge Lebensmittel, die man den Menschen zum Essen geben könnte.

Eine nicht wirklich überraschende Erkenntnis. Aber in manche Köpfe immer noch nicht reinzukriegen.

Du hast halt nur drei Möglichkeiten:

a) Du steigerst den Ertrag. Das ist aber nur sehr begrenzt möglich. Gerade im Westen, wo die Landwirtschaft bereits ziemlich technisiert und optimiert ist, sind Fortschritte nur noch graduell möglich. Auf Sicht von 40 Jahren ist da zwar noch einiges drin, aber auf kurze Frist sind da kaum mehr als einige Prozentchen pro Jahr drin.

b) Du verdrängst Lebensmittel. Und damit sorgst du für Hunger.

c) Du steigerst die Anbaufläche. Und da diese nicht vom Himmel fällt, muss du dafür irgendwas abholzen (nicht vergessen, dass durch Desertifikation (Wüstenbildung) auch noch Anbauflächen verloren gehen). Kurz: Das geht auch Kosten des Regenwalds.

Auch wenn das einige Verfechter nicht wahrhaben wollen und auf die Siegel hinweisen (nachhaltig angebaut, kein Regenwald wurde abgeholzt): Das sorgt für ein gutes Gewissen in Deutschland, aber löst das globale Problem nicht. Oder wollen wir den Indern sagen: Hej, du kaufst jetzt keine Kokosnüsse mehr, weil wir das Kokosöl in unseren Autos verheizen möchten? Biosprit ist keine Lösung, die auch nur im Ansatz weltweit skalieren kann.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Die weltweite Nachfrage bestimmt die weltweite Anbaufläche. Wenn die Nachfrage steigt (u.a. durch Biosprit), wird Regenwald abgeholzt. Das gilt für den Teil der Welt, der oberhalb des Existenzminimums lebt. Für den Teil darunter sorgt mehr Nachfrage für steigende Preise für Lebensmittel und damit Hunger.

Kraftstoff-Studie: Biosprit verdrängt Lebensmittel – SPIEGEL ONLINE

(Ich weiss übrigens nicht, ob sich der Spiegel auf irgendwas Neues bezieht, der Autor schreibt schon länger im selben Tenor zum Thema: Woodrow Wilson School – Timothy D. Searchinger, insbesondere das ist lesenwert und kommt mir auch sehr bekannt vor: http://www.princeton.edu/~tsearchi/writings/Response_to_Criticisms_of_New_Biofuel_Studies.pdf)

Übrigens bleibe ich auch bei meiner Einschätzung, dass der Einfluss von Biodiesel und Biosprit auf die Nahrungsmittelpreise viel größer ist als die Spekulationen der Banken mit Nahrungsmitteln. Ich will letzteres nicht verharmlosen, aber kurzeitige Schwankungen, die diese Spekulationen auslösen, sind naturgemäß langfristig weniger entscheidend als das Verbrennen der Nahrungsmittel in unseren Autos. Denn diese Nahrungsmittel sind weg. Für immer. Und dank der garantierten Beimischung im nächsten Jahr auf’s Neue …

P.S. Dass in der EU jetzt die Konservativen die letzten Befürworter einer hohen Beimischung von Biosprit sind, belegt eindeutig, dass Biosprit von Anfang an eine (versteckte) Subvention für die Agrarlobby -und industrie war.

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