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Deutschland gibt zu wenig Geld für die Bahn aus. Selbst das flache Holland gibt 153% mehr aus.

Das hat die Lobbyorganisation “Pro Schiene” errechnet.

51€ pro Kopf in Deutschland sind wirklich nicht viel. In Europa liegt nur Spanien mit 38€ pro Kopf dahinter.

Das für seine marode Bahninfrastruktur berüchtige Großbritannien gibt mit 110 Euro bereits mehr als doppelt so viel aus. Und die Niederlande sogar 153% mehr als Deutschland. Das ist um so beeindruckender, wenn man bedenkt, dass es in Holland um einiges einfacher ist, Bahnstrecken zu bauen. Man braucht bei einer gefühlten durchschnittlichen Landeshöhe von 2,8 Meter über dem Meeresspiegel halt keine Tunnel, um durch Berge zu kommen, und kaum hohe Brücken, um tiefe Täler zu überwinden. Das sind die mit Abstand teuersten Bauwerke auf Bahnstrecken. Der Vergleich mit Holland ist also ziemlich spannend, wobei die Vermutung naheliegt, dass nicht die Holländer zu viel in ihre Bahnstrecken investieren, sondern wir Deutschen zu wenig.

Der Vergleich mit den Niederlanden ist auf jeden Fall hilfreicher als der mit Österreich und der Schweiz. Denn diese beiden Ländern müssen wegen ihrer Topologie logischerweise deutlich mehr für Verkehrsinfrastruktur investieren als Deutschland. Daher sind die absoluten Zahlen ziemlich nutzlos.

Interessanter wird es schon, wenn man die Zahlen relativ betrachtet und die Topologie berücksichtigt. Wie macht man das am besten? Man vergleicht die Ausgaben für Schiene und Straße miteinander. (Straßen mitten in den Alpen sind ja auch wesentlich teurer als im Flachland).

Und dann ergibt sich folgendes Verhältnis: Deutschland investiert weniger Geld in die Schiene als in die Straße (nur 78%), die Schweiz und Österreich hingegen mehr (134% bzw. 208%).

Leider macht Pro Schiene diesen Vergleich nur für die drei oben erwähnten Länder. Mich hätte dieser Vergleich zu Frankreich oder auch den Niederlanden mal interessiert.

Als kritischer Leser frage ich mich natürlich gleich, ob die Zahlen absichtlich weggelassen wurden. Passten die vielleicht nicht ins Konzept? War Deutschland darin vielleicht nicht mehr auf dem vorletzten Platz?

Hmmm ….

(via Allianz pro Schiene – EU-Ranking: Schienen-Investitionen im Länder-Vergleich Deutschland abgeschlagen)

Update (15:04):

Völlig überraschend kommt eine Lobbyorganisiation, die “Pro Straße” agiert, zum Ergebnis, dass Deutschland viel zu wenig Geld für die Straßen ausgibt:

ProMobilitäT: Studie „Investitionen westeuropäischer Staaten  in Straßeninfrastruktur“  Deutschland vernachlässigt sein Straßennetz!

Update (10.07.13):

Ich habe übrigens eine Mail an Pro Schiene geschickt und gefragt, warum der relative Vergleich Schiene-Straße nur für drei Länder gemacht wurde. Die Antwort lautete sinngemäß “Wir haben leider nur die drei Zahlen. Alles andere übersteigt unsere Kapazitäten”.

Hmmm ….

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