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Kliometrie: Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Fogel gestorben – Wirtschaft – FAZ

R.I.P.

Alle Wirtschaftsinteressierten sollten mal nach einem populärwissenschaftlichen Artikel über die Sklaverei-Untersuchung von Fogel Ausschau halten. Es könnten wegen seines Tods einige kommen (ich habe mal einen gelesen, weiss leider nicht mehr wo und kann den daher nicht verlinken). Denn die Arbeit von Fogel ist ziemlich interessant und *ziemlich* kontrovers.

Fogel hat nämlich versucht mittels Zahlen und Modellen nachzuweisen, dass die Sklaverei ein wirtschaftlich sinnvolles Modell war.

Huh … Sklaverei sinnvoll?

Aber Fogel argumentiert damit nicht für die Sklaverei, sondern nur gegen die bis zur Veröffentlichung seines Werks gängige Meinung, dass die Sklaverei auch wirtschaftlich sinnlos war.  Dass Sklaverei moralisch verwerflich ist, hat Fogel nicht angezweifelt.

Aber diesen Unterschied zu kapieren, hat viele Leute intellektuell deutlich überfordert, wie die Zahl der Angriffe zeigt, die er bekommen hat.

Update (12:31):

JTiemer hat einen Artikel vom Economist auf Google+ geteilt, den ich hier gerne empfehlen würde.

Economic history: Robert Fogel has died | The Economist

Der kurze Kommentar dazu von Johannes Tiemer war:

Wirtschaftsgeschichte ist in aktuellen Curricula unterrepräsentiert. Ehrt sein Andenken und ändert das!”

Und ich dazu:

In der Tat. 

Den inzwischen sehr umstrittenen Rogoff & Reinhardt ist es immerhin zu verdanken, dass mal jemand die Daten zu Verschuldung der Staaten und der Pleiten gesammelt hat. Es zeigt auch, auf welch dünnem Eis sich die Ökonomen bewegen … Über extrem wichtige Entwicklungen der Vergangenheit liegen nur Daten in äußerst mangelhaftem Umfang vor.

Anders gesagt: Wir wissen eigentlich fast gar nichts.

Das liegt natürlich auch daran, dass zwar große Teile der Ökonomie damit beschäftigt sind, komplizierte theoretische Modelle zu bauen, aber keine Lehrstühle für Wirtschaftsgeschichte (wie auch für Wirtschaftsethik) finanziert werden.

Deshalb sind die Erkenntnisse von Fogel wohl auch so revolutionär. Weil sich um Wirtschaftsgeschichte kaum jemand kümmert und niemand Lust hat, die Sachen richtig auseinanderzuklamüsern.

Update 2 (14:33):

Das ist auch ganz fein:

“Without Consent or Contract,” R. W. Fogel (1989) | A Fine Theorem

(hat jemand was gutes Deutsches?) Wo ist der Storbeck, wenn man  ihn braucht …

Kliometrie: Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Fogel gestorben – Wirtschaft – FAZ

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