Bank of Japan lässt die Notenpresse glühen

Dagegen sind die Operationen, die die EZB in Europa gemacht hat, ein Witz, und selbst die der Fed in den USA wirken auf einmal klein, okay vergleichbar

Die Bank of Japan hat gestern angekündigt, die “monetäre Basis” bis Ende 2014 zu verdoppeln. Es geht um die am engsten gefasste Geldmenge M0, die vereinfacht gesagt der Teil der Geldmenge ist, den eine Notenbank direkt beeinflussen kann. Ohne dass irgendeine Geschäftsbank irgendeinen Kredit vergeben muss (was die Geldmenge dann weiter vergrößert).

Da Japan in einer Deflation steckt, die die Schulden immer weiter steigen lässt, setzt die BoJ jetzt alles auf eine Karte. Sie kauft weiter japanische Staatsanleihen auf (jetzt über nahezu alle Laufzeiten) und pumpt somit jede Menge Bargeld in den Finanzsektor und hoffentlich auch in die normale Wirtschaft.

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Als Nebenwirkung (oder Hauptwirkung?) werden die Zinsen auf Staatsanleihen erst einmal weiter fallen (wenn die Inflationsängste nicht überhand nehmen) und der Yen wird weiter fallen. Damit soll auch der japanische Export angefeuert werden.

Die Inflation soll steigen, die Haushalte weniger sparen und mehr konsumieren. Damit endlich die mehr als zwei Jahrzehnte währende Deflation beendet wird.

So der Plan.

Die USA haben ihre Geldmenge M0 Ende 2009 durch Aufkäufe von allen möglichen Anleihen auch massiv erhöht. In einem Quartal gab es Ende 2009 eine Verdopplung, auch seitdem ging es kräftig weiter nach oben (aktuell insgesamt etwa Faktor 3,5).

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Zu Inflation hat das (bisher?) nicht geführt, allerdings ist die Inflation auch nicht gesunken und die USA in eine Deflation gefallen (was viele befürchteten, nachdem die Immobilien-Kreditblase geplatzt ist).

Mal schauen, wie sich das in Japan entwickelt. Es ist auf jeden Fall ein großes Experiment – nach den USA das zweite …

Update (05.04.2013):

Die Märkte zeigten die erwarteten Reaktionen. Aktien rauf, Yen und Zinsen runter. Wobei der erste Ausschlag zum Auftakt des Handels deutlich größer war als das was am Ende übrig blieb.

Börse Tokio: Kursfeuerwerk in Japan – Börse Märkte – Finanzen – Handelsblatt

Ein Hinweis vielleicht noch zum Einfluss auf Deutschland: Es wird hierzulande immer viel auf den Dollarkurs geschaut, was nicht verwunderlich ist, denn das ist nunmal die Leitwährung.

Allerdings ist für große Teile der deutschen Industrie (Auto/Maschinenbau) der Wechselkurs zum Yen ebenfalls sehr wichtig (wenn nicht gar wichtiger), weil viele direkte Konkurrenten in Japan sitzen. Bei vielen Spezialnischenanbietern gibt es oft nur zwei oder drei Anbieter neben dem deutschen und in solchen Konstellationen kann man fast sicher darauf wetten, dass einer davon aus Japan kommt.

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