Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann zur Managervergütung-„Obergrenze“

Noch ein kleiner Nachtrag zur Volksabstimmung in der Schweiz. Ich habe ja schon am Montag darauf hingewiesen, dass die Schweizer nicht für neue und harte Obergrenzen bei der Managervergütung gestimmt haben, sondern nur Details (keine An- und Abtrittsprämie z.B.) verboten haben. Ansonsten wurde “nur” der direkte Einfluss der Aktionäre auf die Gehälter massiv gestärkt. Zum Beispiel soll der Vergütungsausschuss demnächst direkt durch die Aktionäre gewählt werden und nicht durch das Management des Unternehmens selber. Auch werden durch verschiedene Maßnahmen die Kleinaktionäre (auf Kosten der Banken) wichtiger als vorher.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Die Schweizer haben NICHT für Begrenzung von Managermillionen gestimmt

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Schweiz macht Volksabstimmung über Managermillionen

Trotz dieses Zugewinns an direktem Einfluss, bestimmen immer noch Aktionäre über die Vergütung. Und diese werden sicher anders abstimmen als ein Normalverdiener oder gar Niedriglöhner. Jemand der 100.000 Franken im Jahr nach Hause bringt und 500.000 Franken Vermögen besitzt, wird ein Gehalt von einer Millionen sicherlich viel “normaler” und angemessener finden, als jemand der 25.000 40.000 Franken im Jahr verdient und Null Vermögen hat.

Auch wird ein Aktionär Stellenkürzungen im Unternehmen, die der Steigerung der Renditen dienen, viel sympathischer finden als jemand, der kein Geld in der Firma investiert hat. (logisch).

Der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann glaubt daher, dass die Regelung in der Schweiz sogar das Gegenteil bewirken dürfte:

Andererseits wundert mich, dass diese deutliche Mehrheit kaum verstanden hat, dass sie mit der Vorlage das genaue Gegenteil einer Deckelung der Managergehälter bewirken dürfte. Man hat den Füchsen, den gierigen Aktienfonds, den Hühnerstall anvertraut. Schließlich sind die als „Anreize“ ausgestalten Millionenboni letztlich der Hebel, mit denen diese die Unternehmen vollständig ihren unstillbaren Renditewünschen gefügig machen konnten. Nun sollen die Aktionäre noch unmittelbarer als bislang über die Boni befinden.

Deckelung von Managergehältern: “Dem Fuchs den Hühnerstall anvertraut” – vdi-nachrichten.com

An das Gegenteil glaube ich ehrlich gesagt nicht, aber eine realistische Wahrscheinlichkeit für ein “Verpuffen” der Wirkung sehe ich durchaus. Denn zumindest bei der Genehmigung von Boni, die unmittelbar an den Aktienkurs gebunden sind, sitzen Aktionäre und Vorstand in exakt dem selben Boot. Und das könnte durchaus dazu führen, dass das Management noch stärker auf den Aktienkurs schaut und noch kurzfristiger handelt als bisher.

Allerdings gibt es auch durchaus die Möglichkeit, dass die Aktionäre für sinnvolle Regelungen sorgen. Also z.B. die Pensionszusagen an die langfristige Aktienkursentwicklung koppeln und damit dem Quartalsdenken Einhalt gebieten.

All das ist aber reine Spekulation. Die Initiative hat bisher nur einen Rahmen gesteckt. Wie dieser mit Leben gefüllt wird und in welche Richtung er schlussendlich wirkt, weiss aktuell noch niemand.

Update (14:01):

Musste den “Niedriglohn” der Schweizer mal kräftig nach oben schieben. In der Schweiz liegt selbst ein Postbote bei knapp 50.000 SFr im Jahr.

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