Kann man Griechenland mit einem Anleiherückkauf helfen?

Im Prinzip ja 😉

Aber nur, wenn die EZB mitmacht. Würden wie beim ersten Schnitt wieder nur private Gläubiger beteiligt, wird das nicht helfen, selbst wenn bei der Rückkauf der alten Griechenlandanleihen zu 25% des Nennwerts (ergo ein Haircut von 75%) erfolgen würde.

Das würde kaum zur Reduzierung der Schuldenlast beitragen, wie Mark Schieritz von der Zeit heute ausgerechnet hat. Am besten passt das in eine Grafik:

Quelle: Was bringt ein Anleiherückkauf in Griechenland? « Herdentrieb

Das Ergebnis war allerdings auch zu erwarten. Ein Schnitt oder Rückkauf ohne EZB (bzw. öffentliche Hand (ESM/EFSF)) kann nicht reichen, dazu liegen schlicht zu viele Griechenbonds bei der EZB.

Ich bin eh überrascht, dass zuerst die privaten Gläubiger herangezogen wurden. Ich hatte das immer andersherum erwartet (siehe die Links am Ende). Die öffentlichen Gläubiger kommen aber noch. Jede Wette … Die gestern noch oben korrigierte Schuldenstandsprognose von 185%/BIP (siehe auch GR: Haushaltsplanung 2013: 5,2%/BIP Defizit, Schuldenstand 184,9%/BIP. – egghat’s not so micro blog) lässt keinen anderen Ausweg zu.

Wahrscheinlich wird erst abgewartet, bis die Lage in Griechenland halbwegs OK ist (sprich der Modus “freier Fall” beendet ist und sich erste Stabilisierungsansätze zeigen). Dann wird gesagt, dass Griechenland nach einem Haircut akzeptable Werte (Primärüberschuss, Handelsbilanz, …) ausweisen würde. Wenn wir jetzt helfen, wird Griechenland gerettet. Wer will da schon “Nein” sagen.

Und wahrscheinlich wird auch dann “nur” die Rückzahlung gestreckt (was natürlich eine Senkung des Gegenwartwerts darstellt) und dem Wähler das Märchen verkauft, dass man ja nicht auf Geld verzichte, sondern das Geld komplett, aber nur etwas später erhalte. (Aber “später” ist im Zinskapitalismus das gleiche wie “weniger”).

Siehe zur Stundung und zur EZB-Beteiligung auch meine alten Artikel:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: EZB soll Haircut (teilweise) mitmachen

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum beteiligt sich die EZB nicht am Haircut?

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