Video

#Romney erklärt seinen Wahlkampf und seine Politik: 47% zahlen keine Steuern und sind mir egal. 

Naja, wird zum Glück nicht einfach Präsident zu werden, wenn man einer Hälfte der Bevölkerung sagt, dass man auf sie gerne verzichtet.

Update (18.09.12):

Noch ein paar Ergänzungen dazu:

1.) Die Fixierung von Romney auf die “Income Tax” ist schon komplett falsch. Denn es gibt in den USA noch eine Payrolltax. Diese muss man bezahlen, auch wenn man kein Einkommen hat, das die Freibeträge für die “Income Tax” übersteigt.

2.) Auch ein Arbeiter, der keine Income Tax bezahlt, zahlt neben der Payroll-Tax auch die anderen Steuern, z.b. Mineralölsteuer oder Mehrwertsteuer. Von “Keine Steuern zahlen” kann nicht die Rede sein.

3.) Der 1:1 Zusammenhang von “zahlt keine Income Tax” und “ist abhängig vom Staat” ist frech, sehr frech von Romney. Denn in den USA erfolgt ein Großteil der Transfers von Staat an Niedrigverdiener. Das setzt aber auch voraus, dass diese verdienen. Und wenn jemand 10.000 Dollar im Jahr verdient und dann noch 2.000 Dollar vom Staat erhält, kann man ihm nicht wirklich Faulheit vorwerfen. Im Gegenteil: Das ganze Grundprinzip dieser Zuschüsse ist es, Leute in Niedriglohnjobs zu bekommen und zu halten, und ihnen trotzdem ein Überleben zu ermöglichen, was vom Lohn alleine nicht möglich wäre. Es ist ziemlich pervers, dieses Grundprinzip den Niedriglöhnern jetzt zum Vorwurf zu machen. (Gedanke via Thomas Mach)

4.) Generell ist das Abstützen auf die Income Tax frech. Denn die Freibeträge in den USA sind vergleichsweise hoch. Eine Familie mit 2 Kindern, bei denen nur ein Erwachsener arbeitet, kann bis zu 45.400$ im Jahr verdienen, bevor Income Tax fällig wird. Alle unter 45.000$ Jahreseinkommen sind also lt. Romney vom Staat abhängig, weil sie keine Income Tax bezahlen?!?

(Übrigens muss man zum Mindestlohn von 7,50$ bei 260 Arbeitstagen im Jahre pro Tag 24 Stunden arbeiten, um auf die 45.000 Dollar zu kommen. Schlafen kann man schließlich am Wochenende …)

Mitt Romney thinks you need to take responsibility for your life (via @doener)

5.) Die Fixierung auf Income Tax ist auch deshalb falsch, weil die Grundgesamtheit “Haushalte” ist. Darin sind z.B. auch Studenten enthalten. Dass diese keine Income Tax zahlen, ist wenig überraschend.

6.) Der Anteil der Haushalte, der keine Income Tax bezahlt, ist auch deshalb so hoch, weil sich der Arbeitsmarkt in den USA zwar leicht erholt hat, aber diese Erholung wenig überzeugend ist. Dass bei einer Erwerbstätigenquote, die weiterhin auf den tiefen Ständen mitten aus der Krise liegt (unter 60%), ein großer Teil der Haushalte keine Income Tax bezahlt, ist ja auch logisch.

7.) Außerdem stieg der Anteil der Haushalte, die keine Income Tax bezahlen, auch durch “temporäre” Steuergutschriften, die teilweise auch auf die Republikaner zurückgehen. So gibt es z.B. statt normalerweise 500 Dollar Tax-Credit für die Ausbildung von Kindern aktuell 1.000 Dollar Steuergutschrift. Das senkt natürlich ebenfalls den Anteil der Familien, die Income Tax bezahlen müssen (Eine Übersicht über die ganzen Tax Breaks gibt’s übrigen hier).

Wie immer bei mir viele Zahlen … Aber ich glaube, dass ich zu menschenverachtenden Grundidee von Romney, die überspitzt auf

Zahlst du keine Income Tax —> bist du ein Schmarotzer —> bist du kein wertvolles Mitglied der Gesellschaft —> bist du kein Mensch, der mich interessiert

muss ich nichts mehr sagen. Dass ist zu Genüge (leider auch ziemlich falsch) getan worden. 

Zwei der besseren Artikel dazu:

Krugmann: The Real Romney

Romneys Verrat an der amerikanischen Verfassung

Update 2 (18.09.12).

Das wird ja noch geiler … Ratet mal, wo die 47% “Schmarotzer” wohnen? Exakt, in den republikanischen Bundesstaaten. Nicht einmal die Grundthese, dass die 47% eh immer Obama wählen und daher für die Republikaner uninteressant sind, ist richtig. Die 47% sitzen mehr in den republikanischen Staaten als in den demokratischen.

The Geography of the 47% – Jobs & Economy – The Atlantic Cities

Update 3 (20.09.12):

Noch ein Video …

Jon Stewart. Und ein sehr angebrachter Rant über die ganzen Konzerne, die Tax Breaks bekommen. Und über Romney, der selber Tax Breaks in einer solchen Höhe bekommt, dass es seine Steuern in etwa halbiert hat.

Aber die, die haben’s natürlich verdient. Die Tax Breaks und Food Stamps für die Kleinen hingegen sind Schmarotzerei. Schon klar. Romney.

The Daily Show with Jon Stewart
Get More: Daily Show Full Episodes,Political Humor & Satire Blog,The Daily Show on Facebook

Update 4 (22.09.12):

Steuersatz Mitt Romney 2011: 14,1%. Für die Jahre zuvor hat Romney nix gesagt, außer eines durchschnittlichen Steuersatzes von 20% von 1990 bis 2009 (was aber irrelevant für die Diskussion über das US-Steuersystem ist, weil darin ja noch viele Jahre stecken, in denen es die viel kritisierten Tax-Breaks und extra niedrigen Steuersätze für Kapitaleinkommen noch nicht gab). Lustig übrigens auch, dass Romney 2011 auch auf nur 13,0% gekommen wäre, wenn er alle Spenden abgesetzt hätte.

Obama hatte übrigens einen Steuersatz von 20,5%.

Amerikanischer Wahlkampf: Romney veröffentlicht seine Steuererklärung – Wahl in Amerika – FAZ

Romney Releases More Tax Details – WSJ.com

Das Durchschnittsstatement: FT Alphaville » Presidential optics vs the tax code

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