Monatsarchiv: August 2012

Autokennzeichen Liberalisierung – Oder wie Lobbyismus in Deutschland funktioniert

*DAS* Sommerlochthema wahrscheinlich in diesem Jahr. Wenn es nur nicht so total unwichtig wäre wie ein entlaufener Kamai … 

OK, es ist wirklich total unwichtig, ob es Kennzeichen wie CAS (Castrop Rauxel, tendenziell einer der coolsten Ortsnamen in Deutschland) wieder gibt oder nicht. Total unwichtig.

Spannend daran ist aber etwas anderes … Die Geschichte hat wohl die WAZ ausgegraben und sie zeigt schön, wie Wissenschaft, Lobbyismus und Politik in Deutschland zusammenspielen.

Die Akteure:

  • Manfred von der Heyden, Besitzer einer Autoschilderladenkette.
  • Ralf Bochert, Professor in Heilbronn, VWL Professor, Destinationsmanagement (also Tourismus).
  • Ein Minister in einer zweit- bis drittangigem Ministerium, in dem es wenig zu gestalten gibt, viele Projekte durchgezogen werden müssen, die die Vorgänger eingestielt haben, und das generell nur den Mangel verwalten muss

Jetzt lernt von der Heyden (Schilder) den Bochert (Uni) kennen. Und bringt ihm den Gedanken nahe, dass seine Kunden häufig die alten Kennzeichen vermissen würden. In Kombination mit Heimatgefühl und solchen Fragen wie “Ist in eigenes Kennzeichen auch ein Werbeträger” bietet sich das quasi zur Forschung an.

Bochert beginnt eine Umfrage unter mehr als 40.000 Bürgern und stellt fest, dass die Bürger ihre alten Kennzeichen vermissen.

Das Problem: Wenn ich in DINslaken (jetzt WESel) oder WITten (jetzt ENneppe-Ruhr-Kreis) oder CAStrop-Rauxel oder GLAdbeck (Jetzt REcklinghausen) (man verzeihe die lokale Gewichtung, ich komm da wech …) diese Umfrage mache, kommt natürlich diese Ergebnis heraus. Mache ich die in WESel oder REcklinghausen wird es – oh Wunder – ein völlig anderes Ergebnis geben (80 Mio. Deutschen geht das Thema sowas von irgendwo vorbei …). Anders gesagt: Eine solche Umfrage durchzuführen und ein vernünftiges, sprich repräsentatives Ergebnis zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Die repräsentative Studie wird mindestens teuer …

Naja, flugs schon mal die “Heilbronner Initiative” gründen …

Diese (schlechte) Studie ist aber bisher exakt die einzige, die es zum Thema gibt. Und auf dieser Basis (die ja eigentlich keine ist) erlaubt der Ramsauer jetzt wieder einen Haufen alter/neuer Kennzeichen. OK, das wird kaum jemandem wehtun. Es wird diskutiert (in den Städten), einige werden sich für ein neues (ergo das alte) Kennzeichen entscheiden und dann gibt es neue Kennzeichen. Diese muss ja niemand kaufen, wer will, darf es aber. Die Schilderstempler freuen sich über den Mehrumsatz (eine halbe Millionen Kennzeichenwechsel machen 15 Mio. zusätzlichen Umsatz). (Die Dinger kosten laut WAZ übrigens 1 Euro und werden für 30 vertickert …)

Wenn es jetzt nicht um ein dermaßen unwichtiges Thema gehen würde, könnte man sich aufregen.

Ich befürchte aber, dass die wichtigen Entscheidungen ebenfalls auf ähnlich dünner Datenbasis beschlossen werden. Eine einzige schlechte Studie (die der Professor übrigens nie als repräsentativ gekennzeichnet hat, aber diesem Eindruck auch nie widersprochen hat) …

Tja, so funktioniert das. Der Lobbyist kennt den Professor. Der macht die Studie und ein Politiker auf der Suche nach populistischen Themen nimmt den Ball dann endgültig auf.

Wie die Autoschilder-Branche die Politik beeinflusste – Aktuelle Nachrichten aus Politik, Sport und der Region

Der Professor feiert sich übrigens immer noch für diese supertolle, wahnsinnig wichtige Studie …

http://initiative-pro-gd.de/app/download/5788933914/tatt0_1—-tmai12ad03660fa361ad;jsessionid=C8BC48DDE96F82C1B3CB409DBF05C8C5-n1.pdf

Update (21:50):

Ich sehe gerade, dass die ZEIT die Geschichte auch hatte. Aber wohl 2 Tage später.

Autokennzeichen: Der gewonnene Schilderkampf des Professors | Politik | ZEIT ONLINE

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Also doch: Berlin plant für Griechenland-Euro-Exit

Klar, dass das auf höchster Geheimhaltungsstufe läuft. Aber auch klar, dass die Politik den Fall zumindest berücksichtigen muss. Denn selbst wenn man den Euro-Austritt Griechenlands weder aktiv anstrebt, noch passiv “in Kauf nehmen möchte”, könnte Griechenland doch auch einfach selber austreten.

Und deshalb ist es am Ende auch keine wirkliche Überraschung, dass dieser Fall durchgespielt wird. Alles andere wäre auch grob fahrlässig.

Möglicher Euro-Austritt: Berlin gründet Arbeitsgruppe “Grexit” | FTD.de

Update (10:05):

Die FTD hat auch ihren Leitartikel heute diesem Thema gewidmet:

Krisenszenarien: Fluchtplan für den Griechen-Ernstfall | FTD.de

D: BIP Q02/12: +0,3% (Vq), +1,0% (Vj). Plus nur, weil Exportüberschuss weiter steigt.

Damit wurden die Zahlen der Vorabschätzung bestätigt (und ich kann meine Rezessionswette2 endgültig abhaken).

Interessant ist die erste (richtige) Veröffentlichung immer, weil sie im Gegensatz zur “Schnellmeldung” auch Details enthält.

Und die sind wirklich ganz spannend: Denn 0,3 Prozent Wachstumsbeitrag (also quasi das gesamte Plus) entstehen nur aus folgendem Unterschied:

Exporte +2,5%
Importe (nur) +2,1%

Im Inland wuchsen der private (+0,4%) und staatliche (+0,2%) Konsum, gleichzeitig sanken die Investitionen, zum Teil (Maschinen) kräftig. Auch die Lagerbestände wurden leicht zurückgeführt. Alles zusammen hätte in diesem Teil (Inland) zu einem Minus von 0,1% geführt.

Das Plus von 0,3% haben wir also allein der weiteren Ausweitung des (eh schon ungesunden) Handelsbilanzüberschusses zu verdanken. Nicht sehr gesund …

Pressemitteilungen – Statistisches Bundesamt (Destatis) – Aus­führ­liche Ergeb­nisse zur Wirt­schafts­leis­tung im 2. Quar­tal 2012 – Statistisches Bundesamt (Destatis)

30 Mio. für Bayern Trikotwerbung von der Telekom

Der bis Ende dieser Saison laufende Vertrag wurde damit vorzeitig verlängert. Statt geschätzter 25 Millionen Euro pro Saison sollen es jetzt (wiederum geschätzte) 30 Millionen sein.

Das ist zwar 20-mal so viel wie Fürth bekommt (und auch etwa 2,5 mal so viel wie Dortmund), aber immer noch nur etwas mehr als die Hälfte von dem, was Manchester United ab 2014 von Chevrolet bekommen wird (70 Mio. $ pro Saison). ( siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: ManU Börsengang: Nicht kaufen!)

Trotzdem nicht so schlecht …

Fußball-Bundesliga: Bayern und Hauptsponsor verlängern Zusammenarbeit – Fußball – FAZ

Link

Nürburgring-Abgründe: Rheinland-Pfalz soll für Puffbesuche gezahlt haben – Nachrichten Wirtschaft – WELT ONLINE

das ist doch einen kurzen Hinweis in meinem Korruptionsticker wert …

Nürburgring-Abgründe: Rheinland-Pfalz soll für Puffbesuche gezahlt haben – Nachrichten Wirtschaft – WELT ONLINE

Zitat

Die Politik fragt aber nicht: Ist die Idee gut?, sie fragt nur: Kommt das von einem von uns oder nicht?

“Journalismus ist mehr als ein Job” | FALTER Top-Stories

Ok, Stronach Verteidiger (siehe dazu Österreich: Milliardär tritt mit neuer Anti-Euro-Partei an | tagesschau.de) das Zitat merke ich mir trotzdem …

0,4 Mio Euro an Kunden. Bestechung? Neee, wie kommen Sie darauf?

Wie bescheuert ist die Verteidigungsstrategie denn?

Man zahlt einem Kunden 9,2 Millionen 401.000 Euro Provision, der gerade dabei ist, 39 Busse zu ordern. Und selbst als das Geld in bar in Salzgitter abgeholt wurde, gibt es natürlich keinerlei Verdachtsmomente.

Den falschen Leuten vertraut, blabla.

Man: Das gibt’s einen Haufen Geld für den Job und einen großen Teil davon gibt’s für die Verantwortung, die man trägt. Da kann man nicht so schlampig arbeiten und sich am Ende damit heraus reden, man habe den falschen Leute vertraut.

Das Angebot 12 Monate auf Bewährung hat die Ex-MAN Managerin übrigens abgelehnt. Mal schauen, ob sie mit dem Zug “ich war jung und dumm” wirklich mit weniger Strafe davon kommen wird …

Korruptionsprozess: Ex-MAN-Managerin Drzisga gibt sich naiv | FTD.de

Update (14:26):

Die 9,2 Millionen Euro waren die Auftragssumme, die “Provision” war “nur” 401.000 Euro.

Danke an Ariane und TeraEuro für den Hinweis und Sorry für den Fehler.