Dear Twitter: Get your f*cking act together

Ihr schränkt das Wachstum der Clients jetzt ein, die nur noch maximal 100.000 Nutzer haben dürfen, danach müsse man sich mit Twitter kurzschließen.

OK, ihr wollt jetzt einen einheitlichen “Look” von Twitter sicher stellen. OK, unabhängige Clients passen Euch nicht mehr in den Kram, weil diese ihre Inhalte anders darstellen als es Euch vorschwebt. 

Doof nur, dass Euch das niemand glaubt. Es geht Euch nämlich nur um eins: Ihr wollt die Nutzer auf Eure Website ziehen, um dort Werbung verkaufen zu können. Da passen Euch die Clients verständlicherweise nicht in den Kram.

Aber OK, ich akzeptiere mal, dass ihr das wollt und durchsetzen könnt. Das wäre vielleicht nervig, aber immer noch besser als wenn ihr pleitegehen würdet. Das größte Problem aber, was ich dabei sehe:

IHR KÖNNT ES NICHT!

Apple nervt mich auch manchmal mit künstlichen Einschränkungen, aber Apple hat einige Produkte gebaut, mit denen man arbeiten kann. Apple hat bewiesen, dass sie User Interfaces bauen können. Man kann der Firma – auch wenn man manche Entscheidungen nicht gleich mag – vertrauen, richtig schlecht wird es nicht.

Und jetzt zu Twitter: Was habt ihr bisher bewiesen? Euer Webinterface ist Mist und war immer Mist. Mobil und im Web. Ich habe es NIE benutzt. In meiner Timeline (gerade aktuell) sehe ich keinen einzigen Tweet aus eurem Web-Interface. 8 Nutzer. 2* Tweetbot, 2* Hootsuite, 1* Echofon, 2 automatische Feedbots, 1* Twitter für iPhone. Respekt! Immerhin einer aus einem Twitter-eigenen Programm. 

Warum bloß? Weil man mit Twitter pur nicht leben und arbeiten kann.

Und das beschränkt sich nicht nur auf Twitter, sondern auch auf das ganze Ökosystem drumherum. Wo war euer Bilderdienst? Wo war euer URL-Shortener? Wo war Euer “Kurator” à la Storify? Face it, Twitter: auf die coolen Ideen rund um Twitter sind IMMER andere gekommen, nichts kam von Euch.

Wie soll sich der Dienst weiter entwickeln, wenn ihr auf diese Ideen verzichtet? Wollt ihr die auf einmal selber haben? Plötzlich kreativ werden, an Nutzernutzen denken, auf einmal das schaffen, was ihr die ganzen letzten Jahre nicht geschafft habt? Ich glaube nicht daran.

Das Schlimmste ist: Ihr arbeitet mit Druck. Statt einen besseren Bilderdienst, ein besseres Storify, einen besseren Tweetempfehler, einen besseren Followeraufräumer, einen besseren Spamfilter zu bauen, macht ihr einfach die Schotten dicht. Über Google hat mal irgendjemand Kluges gesagt, dass Google zunehmend mit Druck arbeitet, um in Google+ Traffic zu bekommen. Das wäre anders als früher, da hätte Google mit Sog gearbeitet, indem Google eine bessere Suche baute, eine bessere Kartenapp, ein besseres Mail. Genau da seid ihr jetzt auch angekommen: Ihr arbeitet mit Druck. Nur mit einem Unterschied zu Google: Ihr hattet (was die Clients angeht) NIE Sog. Ihr habt immer nur Unterdurchschnittliches geleistet.

Tjoah, was tun? Mein Vorschlag: Verkauft den Zugriff auf die API per Geld. Ganz einfaches Revenue-Sharing. Echofon kostet 10 Dollar, 5 davon gehen an Euch. Oder verkauft den Key gegen Geld. Wer nicht mitmacht, bekommt keinen Zugriff mehr. Reicht das Geld nicht, das darüber reinkommt, stellt auf ein Abomodell um. Ihr dürftet die einzigen sein, die von einer genügend großen Anzahl Nutzer 1 oder 2 Euro im Monat für einen werbungsfreien Zugriff (über beliebige Clients) bekommen dürften. Das Webinterface kann ja frei bleiben und da könnt ihr eure (ach so erfolgreiche) Werbung vertickern. Und dort Innovationen entwickeln. Vielleicht wird das ja noch was …

Ansonsten bin ich traurig, dass es Google Buzz nicht mehr gibt. Jetzt wäre vielleicht der initiale Funke da, um Buzz abheben zu lassen. Vor allem könnten die Softwarefirmen, die jetzt Twitterclients herstellen, jetzt an Buzz Interesse finden.

Google+ fehlt leider die API, um darauf die Sachen machen zu können, die ich jetzt mit Twitter machen kann. Es fehlt (siehe oben) das Ökosystem. Gib mir ein Programm, das so wie “Nachrichten” auf dem iPhone SMS und iMessages (am Ende Chat) unter einer Oberfläche zusammenfasst, Google+ und Twitter zusammenfasst und G+ geht durch die Decke.

Die andere Alternative: Lasst Euch kaufen. Von Apple oder Google. Und zwar schnell, so lange ihr noch was wert seid.

App.net? Ein Twitter-Clone ohne Werbung gegen Geld? Haben zwar die halbe Millionen eingesammelt, die sie zum Starten brauchen, aber was nützt mir ein Twitter-Clone ohne die Nutzer? Selbst wenn das 500.000 supporten (jetzt waren es gerade mal 12.000), ist das gerade einmal ein Promille von den 500 Millionen Nutzern, die Twitter hat. IMHO wird das nie abheben.

Generell bin ich überrascht, dass immer noch so unglaublich viele Firmen sich so unglaublich kruden Mist ausdenken (wie gerade Twitter), nur um Werbung verkaufen zu können, die keiner sehen will (Click-Through-Rate bei Werbung auf Facebook bei 0,08%, 999 von 1000 Bannern waren also Verschwendung). Und warum so wenig verstehen, dass in sozialen Netzen durchaus mehr Wert steckt als Werbeausspielung. Dabei zeigen es die profitablen LinkedIn und Xing doch, dass man in diesem Bereich mit Freemium-Abomodellen Geld verdienen kann. Man gibt eine Grundfunktionalität frei (Webinterface im Fall von Twitter) und kassiert für ProFeatures wie den werbefreien API-Zugriff Geld. 

Rant Ende. Musste raus.

Update (21:27):

Mir war ja gar nicht bewusst, wie wenig Twitter erfunden hat. Der Laden ist ja noch unkreativer als ich es eh schon dachte …

Selbst die Hashtags und die @-Replys kamen von den Usern, nicht von Twitter. Und diese Community würgt Twitter jetzt ab.

Yepp, do it like AOL did it …

Twitter’s API Changes — The Brooks Review

Update 2 (17.08.12):

Noch jemand, der für API-Zugriff gegen Geld für die Profis und Weboberfläche mit Anzeigen für die Wenignutzer plädiert. 

The Twitter API Insanity – What Everyone Seems to Be Missing | Nova Spivack – Minding the Planet

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