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Progressive Lohnsteuer- und Sozialabgabenquote in Deutschland?

Nochmal eine Ergänzung zum Lohnesteuerartikel (Lohnsteuer nur 1/4 der Gesamtsteuereinnahmen – egghat’s not so micro blog), in dem ich darauf hingewiesen habe, dass man die angeblich so hohe Belastung der Besser- und Spitzenverdiener nicht so ernst nehmen darf, auch wenn die immer laut jammern.

Denn hohe Steuern und Abgaben haben auch schon Niedrigverdiener, weil es neben der Einkommensteuer  noch jede Menge weiterer Steuern, die *alle* bezahlen, gibt. Und daher zahlt auch derjenige, der gar keine Einkommensteuer bezahlt, doch Steuern: Auf Strom, Sprit, Heizung und über die Umsatzsteuer auf alles andere auch. Rechnet man das ein, wird der angeblich dramatische Effekt, die “50% der Bevölkerung zahlen gar nichts und 10% an der Spitze zahlen 80%” deutlich weniger dramatisch. Das als kleiner Recap meines alten Artikels.

Noch weiter in die gleiche Richtung geht diese Entwicklung, wenn ich die Sozialabgaben einrechne. Diese ist oben im Chart sichtbar (wichtig: ohne den im ersten Abschnitt beschriebenen Effekt durch die Verbrauchssteuern). Auch die Sozialabgaben sind ja nicht progressiv steigend. Man zahlt 20% in die Rentenkasse und aus. Ob man 2.000 Euro verdient oder 4.000 Euro. Da steigt nichts progressiv, im Gegentei: Ab einer Obergrenze von etwa 5.500 Euro im Monat kann/muss man keine höheren Beiträge mehr leisten. OK, damit bekommt man auch keine höheren Leistungen (sprich Rente), aber das ist halt grundsätzlich anders als z.B. in der Schweiz, wo das volle Einkommen für die Rentenkasse zählt und es am Ende im Wesentlichen eine Grundrente gibt.

Noch extremer ist das bei der gesetzlichen Krankenkasse: Dort ist der Beitrag bei knapp 5.000 Euro gekappt. Wer 20.000 Euro verdient, zahlt also *absolut* genauso viel wie jemand mit 5.000 Euro (also 15% von 5.000, sprich 750 Euro). *Prozentual* betrachtet sinken seine Abgaben jedoch. Aus 15% an der Bemessungsgrenze werden bei 20.000 Euro nur noch knapp 4%.

Das ist der Grund, warum die Kurve oben, die auf Zahlen der OECD zurückgeht, bei hohen Einkommen nicht mehr steigt, sondern sogar leicht zurückgeht.

Das Steuer- und Abgabesystem in Deutschland ist meiner Meinung nach viel zu schwach progressiv. Wir langen schon am unteren Ende viel zu stark zu und am oberen Ende steigt dann auch nichts mehr …

(Und den Effekt, dass die Besserverdienenden in die private Krankenkasse fliehen und die Altersvorsorge privat betreiben, habe ich noch gar nicht berücksichtigt).

Daher gehen die Vorschläge von Kirchhof komplett in die falsche Richtung …

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